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Christoph Willibald Gluck und der 4. Juli 1714 in Weidenwang
Es ist Zeit für eine Wiedergutmachung

Quellenforschung und -kritik zum 300. Geburtstag des großen Komponisten
© Dr. Werner Robl, Berching, Januar 2015.

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Gluckexkursion 2015
Am 18. und 25. April 2015 fand jeweils eine 4-stündige Exkursion im majestätischen Hochwald über Erasbach und Weidenwang statt, auf der wir an diversen Stellen den Spuren des Försters und Jägers Alexander Gluck begegneten.

Wir bedanken uns bei allen Wanderern für das Interesse und die rege Beteiligung!

 

Hinführung

"Eppur si muove - Und die Erde, sie dreht sich doch!"

Dieser Ausruf wird dem berühmten Galileo Galilei (1564-1641) zugeschrieben, jenem Wissenschaftler, der vehement für das kirchlich verpönte heliozentrische Weltbild eintrat und deshalb von der Papstkirche im Jahr 1633 der Inquisition unterzogen, anschließend als Ketzer mit dem Schweigegebot geächtet und schließlich eingesperrt wurde.

"Und Gluck wurde doch in Weidenwang geboren!"

Was bringt einen Berchinger Hausarzt dazu, in ähnlich störrischer Manier wie seinerzeit Galileo Galilei in die Musikgeschichte einzugreifen und auf der Ansicht zu beharren, dass der Komponist Christoph Willibald Gluck, dessen Geburtstag sich im Jahr 2014 zum dreihundertsten Mal jährt, entgegen landläufiger Ansicht nicht am 2. Juli 1714 in Erasbach, sondern am 4. Juli 1714 im benachbarten Weidenwang in der westlichen Oberpfalz geboren wurde - so, wie es die Weidenwanger Tradition schon immer will?

Sicher nicht, weil er der einen Ortschaft den Vorzug gegenüber der anderen geben würde. Da sind ihm beide Orte, die er des Öfteren im Rahmen seiner beruflichen Aufgabe besucht, gleich recht und gleich viel wert.

Nein - es geht um etwas ganz anderes, es geht um den vorurteilsfreien Umgang mit geschichtlichen Quellen. Dies war in der einzigen Forschungsarbeit zur Kindheit Christoph Willibald Glucks, welche quasi zum "Goldstandard" für alle späteren Publikationen wurde, nicht gegeben. Deshalb haben wir zwei quellenkritische Arbeiten zu diesem Thema verfasst, um die Dinge wieder ins Lot zu bringen.

 

  • Die erste Arbeit erschien bereits im November 2013 (mit Aktualisierungen bis Dezember 2014) und befasst sich mit den ersten und letzten Lebensjahren des Komponisten Christoph Willbald - unter Auswertung der bereits bekannten lokalhistorischen Veröffentlichungen. Auf vielfachen Wunsch haben wir diese Arbeit, von der bislang nur eine Internet-Version vorlag, in das druckbare PDF-Format gebracht.

    Diese Arbeit wie auch die folgende steht für die private, d. h. nicht-kommerzielle Nutzung kostenfrei zur Verfügung - unter der Voraussetzung, dass das Copyright beachtet und an der Datei von fremder Hand nichts verändert wird. Zum Download bitte jeweils auf das Bild oder den Text-Link klicken!

    23. November 2013:

    Christoph W. Gluck wurde doch in Weidenwang geboren...
    Über die Mythen zum Lebensanfang und -ende des Komponisten

    58 DIN A 4-Seiten, zahlreiche Abbildungen, aktualisiert Mai 2015.

     

  • Es folgt eine umfangreiche Forschungsarbeit des Jahres 2014 zur Familie Christoph Willibald Glucks im Sulzgau, mit Vorstellung zahlreicher alter und neuer Quellen aus den Archiven Amberg und Eichstätt und kritischer Revision der historischen Arbeit Franz Xaver Buchners von 1915. Es gelang uns, nachzuweisen, dass die alte, zwischenzeitlich verpönte Weidenwanger Tradition nach wie vor ihre Gültigkeit hat:

    Christoph Willibald Gluck wurde nicht am 2. Juli 1714 in Erasbach, sondern am 4 Juli 1714 in Weidenwang zur Welt gebracht und getauft!

    Diese Arbeit ist als Non-Profit-Projekt erschienen, bei dem wir lediglich den Druckkostenanteil von 24 € an die Interessenten weitergegeben haben. Leider ist die erste Auflage bereits vergriffen. Bei Interesse an der Printversion bitte unter 08462/2211 telefonisch melden; es ist durchaus möglich, dass bei entsprechender Nachfrage eine zweite Auflage folgt.

    An dieser Stelle kann kostenfrei eine Internetversion als PDF-Datei heruntergeladen werden, deren Bildauflösung von 150 dpi allerdings nicht für einen Ausdruck geeignet ist.

    18. Dezember 2015:

    Auf den Spuren der Försterfamilie Gluck in den Ddörfern Weidenwang und Erasbach

    Fallstricke und Lösungen der regionalen Gluck-Forschung
    205 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Version 18. Dezember 2015.

    Die Folien eines Vortrags mit Vorstellung der wichtigsten Ergebnisse dieser Archiv-Recherche finden sich hier:

    23. Januar 2015:

    Auf den Spuren der Familie Gluck in Weidenwang u. Erasbach
    Fallstricke und Lösungen der regionalen Gluck-Forschung

    Folien zum Vortrag am 23. Januar 2014 in Weidenwang

     

  • Im Sommer 1904 reiste der französische Musikwissenschaftler Julien Tiersot nach Berching und wanderte anschließend zu Fuß nach Weidenwang, um das Geburtsland und den Geburtsort des von ihm hochverehrten Christoph Willibald Gluck auf sich wirken zu lassen. Tiersot entwirft 1905 ein in sich stimmiges, authentisches Bild des Sulzgaus, Weidenwangs und seiner Bewohner zu Beginn des 20. Jahrhunderts, sein Blick ist noch nicht durch die verhängnisvolle Veröffentlichung Franz Xaver Buchners von 1915 getrübt (siehe unten). Wir halten diesen Reisebericht für absolut lesenswert und haben ihn deshalb ins Deutsche übersetzt!

    08. Februar 2015:

    Au Pays de Gluck - Im Lande Glucks

    Reise des französischen Musikgelehrten Julien Tiersot nach Weidenwang
    Erzählung von 1905 - französisches Original und deutsche Übersetzung.

     

  • Durch unsere Recherche haben zwei alte Holzstiche von Friedrich Trost eine ungeahnte Aktualität erfahren. Wir haben sie in einer Zeitschrift von 1907 wiederentdeckt und möchten sie hiermit den Interessenten vorstellen.

    11. Februar 2015:

    Vom Werden und Vergehen eines großen Mannes

    Der Holzstecher Friedrich Trost und Glucks Geburts- und Sterbeort
    Aktuell wie eh und je: Zwei Holzstiche von 1906

     

  • Zum Verständnis der obigen Arbeiten ist die Kenntnis der historischen Arbeit Franz Xaver Buchners von 1915 unabdingbar. Aus Gründen des Copyrights kann sie hier zum Download nicht freigegeben, aber im Einzelfall per Email zur Einsicht angefordert werden:

    Das Neueste über Christof Willibald Ritter von Gluck
    Aus Archiven erholt von Franz Xaver Buchner

    Oberpfalzverlag Kallmünz 1915.

     

  • Für diejenigen, die sich näher mit der interessanten Dorfgeschichte Weidenwangs beschäftigen wollen, folgen drei weitere Quellen: Zunächst eine Übersicht aus eigener Hand, welche erstmals die Lücken der Weidenwanger Geschichtsschreibung füllt und die überragende Rolle der burg- und landgräflichen Pabonen für die Veste Oberweidenwang und ihren riesigen Forstbezirk im 10. bis 12. Jahrhundert erarbeitet:

    23. Januar 2015:

    Burg und Dorf Weidenwang in Mittelalter und Neuzeit
    Die Geschichte Weidenwangs bis zum Königreich Bayern

    Ein kurzer Abriss, erstmals mit Würdigung der Pabonen

     

  • Es folgen zwei historische Quellen aus Weidenwang:

     

    Die Weidenwanger Dorfordnung von 1663
    mit Huet-Beschreibung von 1519

     

  • Zum Abschluss ein Link zur Zeitschrift "ansporn", dem Magazin des Landkreises Neumarkt für nachhaltige Entwicklung. In der Ausgabe 04/2014 ist ein gemeinsam mit Herrn Christian Wolf, Förster a. D. aus Neumarkt, erstellter Artikel erschienen, der sich mit den Seligenportner Forstrevier des Alexander Gluck, seiner Geschichte und Botanik beschäftigt. Der Artikel bezieht sich noch auf die früher referierten Eckdaten der Familie Gluck in Erasbach und Weidenwang. Insofern ist er, obwohl erst jüngst erschienen, in wenigen Punkten nicht mehr ganz aktuell! Dies betrifft aber in keiner Weise den lesenswerten botanischen/forstwirtschaftlichen Teil!

    ansporn 4/2014:

    Auf den Spuren des Försters Alexander Gluck
    von Werner Robl und Christian Wolf

    Im geschichtlichen Teil ein Exzerpt obiger Arbeiten, 17 S., viele Abb.

 

Nachgehakt:

Am Samstag, den 31. Januar 2015, erschien im Neumarkter Tagblatt in großer Aufmachung ein Artikel mit Anmerkungen Rudolf Eineders zu unserem Gluck-Vortrag vom 23. Januar 2015 in Weidenwang (siehe oben). Herr Eineder ist derzeit Präsident der Internationalen Gluckgesellschaft und ehemaliger Bürgermeister der Stadt Berching - und damit u. a. für den "mainstream" an Meinungen in Sachen Gluck zuständig.

Eine Replik auf diese eigenartige Stellungnahme ist nicht nötig, denn nahezu alles, was hier thematisiert wurde, findet sich in obiger Arbeit ausführlich besprochen, mit Quellen belegt, an Beispielen erklärt und - man muss es leider bei der einen oder anderen Unterstellung sagen - auch gerade gerückt.

Hier nur ein Hinweise:

  • Zur steuerlichen Bedeutung des altertümlichen Ausdrucks "mit rucken besitzen" im Sinne von "Eigennutzung einer Immobilie" (was Herr Eineder bezweifelt) bedarf es keiner Erklärung eines Musikwissenschaftlers, es genügt, in Johann Andreas Schmellers "Bayerischem Wörterbuch" unter dem Stickwort "Ruck" nachzulesen, sowie bei einigen anderen Autoren, deren historische Texte die Bedeutung des Ausdrucks erschließen lassen. Diese sind heute bequem im Internet erreichbar: [Link] [Link] [Link] [Link] [Link] [Link] etc.

Schade, dass Herr Eineder nicht zum dem Thema Stellung bezogen hat, das es u. E. der Öffentlichkeit gegenüber zu thematisieren gilt, nämlich die unschöne Art und Weise, wie der Autor F. X. Buchner im Jahr 1915 die Einwohner Weidenwangs und seine eigenen Pfarrerkollegen diskreditiert und ohne Legitimation und Notwendigkeit die Tradition zur Geburt Glucks in Weidenwang zu zerstören versucht hat. Damit hat er übrigens nicht nur dem Ort Weidenwang, sondern auch sehr dem Ort Erasbach geschadet, dem es dadurch nie geglückt ist, eine adäquate, an der historischen Situation orientierte Rezeption und Tradition zu Gluck zu entwickeln! Wie sehr und wie vielfältig Buchner seinerzeit daneben lag, haben wir mit etlichen Quellen klar belegt! Bei dieser Sachlage ist es schon verwegen, an einem Geburtsort Erasbach festzuhalten, für den am Ende nicht eine einzige Quelle spricht.

Aber wie sagt J. W. von Goethe so treffend: "Nichts ist einer neuen Wahrheit so schädlich wie ein alter Irrtum!"

 

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