Dichter und Arzt in Berching von 1938 bis 1977
© Dr. Werner Robl, Berching 2026
Ein Kollege von uns, der wie wir seine familiären Wurzeln in Weiden in der Nordoberpfalz hat, aber große Teile seines Berufs- und Privatlebens in der Westoberpfalz verbrachte, genauer gesagt im Städtchen Berching, ist der ehemalige Hausarzt und Heimatdichter Heinz Schauwecker. [Link]
Am 11. Oktober 1894 in Regensburg geboren und in Nürnberg aufgewachsen, blieb Heinz Schauwecker Zeit seines Lebens ein echter Oberpfälzer. Im Jahr 1954 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Berching ernannt - wegen seines umfangreichen lyrischen und prosaischen Gesamtwerks und seiner vielen Verdienste, die er sich um die Heimat Oberpfalz und die Stadt, in der er über 39 Jahre lang lebte und wirkte, erworben hatte.
Gleichwohl wird Heinz Schauwecker heute in Berching nicht mehr geehrt, zumindest in nicht in öffentlichen Veranstaltungen. Unverständlicherweise ist auch sein Grab aufgelöst worden und und heute vergessen. Der Grund für diese Nichtbeachtung liegt in einer "völkisch-braunen" Vergangenheit, die in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts von Schwandorfer "Jusos" aufgedeckt wurde. Eines der damaligen "Beweismittel" - Schauweckers Unterschrift im sogenannten "Treuegelöbnis deutscher Schriftsteller" vom 26. Oktober 1933 - ist inzwischen stark relativiert, da hier nur in den allerwenigsten Fällen authentische Unterschriften vorliegen und im Übrigen Heinz Schauwecker mit dem gleichnamigen NS-Schriftsteller Franz Schauwecker (1890-1964) verwechselt worden sein dürfte.
Die nachfolgenden Angaben stammen aus einigen Quellen Berchinger Mitbürger, vornehmlich aber aus der Dissertation "Der Bundesverband Deutscher Schriftsteller-Ärzte e. V. - seine Bibliothek und seine Autoren", von Silke C. Albrecht, vom Dezember 1985, die uns freundlicherweise der Arzt und Wahlberchinger Dr. Schröttle zur Verfügung gestellt hat, wofür wir uns hiermit bedanken. Weiterführenden Informationen finden sich auch in der relativ objektiven Kurzbiografie von Bernhard Baron im Literaturportal Bayern: [Link]
Wir fühlen uns weder berufen, den tief gottgläubigen und stark mit Heimat und Vaterland verwurzelten Heinz Schauwecker wegen seines frühen Irrweges zu entschuldigen, noch dazu, ihn deswegen zu verurteilen. Wir erinnern vielmehr den Leser dieser Zeilen an das bekannte Bibel-Wort: "Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein." (Joh. 8,7)
Außerdem legen wir Wert auf die Feststellung, dass bestimmte Episoden in Schauweckers Lebens dafür sprechen, dass er sich nach gemachter Erfahrung nach und nach von allen völkisch-nationalistischen Ideen abgewandt und sich sogar mitunter in Gegensatz zum NS-Regime gebracht hat - und zwar unter Lebensgefahr und z. T. lange bevor dieses Regime zusammenbrach.
Darauf deuten wenigstens 4 Tatbestände hin, von denen übrigens Heinz Schauwecker selbst zu Lebzeiten nie ein Aufhebens gemacht hat:
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Im Jahr 1938 wechselte er dann in die altbayerische Provinz, die weitaus weniger als der Nürnberger Raum von der NS-Ideologie kontaminiert war, wie nebenstehende Grafik verdeutlicht. Konkret zog es ihn in das beschauliche Mittelalter-Städtchen Berching, zu dem er schon um 1925 erste dichterische Kontakte geknüpft hatte, durch Dichtung des "Berchinger Spiels" für die 1000-Jahrfeier 1926. Schauwecker verheiratete sich nach Berching; das Städtchen wurde daraufhin zu seiner Heimat.
Zum politischen Diskurs war da nicht die geringste Zeit, zumal im Verlauf des Krieges auch immer klarer wurde, dass das 1000-jährige Reich ein schlimmer Trugschluss gewesen war. In dieser schweren Zeit rettete Heinz Schauwecker nach einem Bericht des Donaukuriers vom 12. Februar 1994 20 geistig Behinderte vor dem Zugriff der Waffen-SS. Ein wahrlich riskantes Unterfangen! Es ist anzunehmen, dass diese Behinderten Insassen der Anstalt in Holnstein waren, denn dieses Heim meldete später in seinen Jahresberichten stolz, durch die Schreckensherrschaft des NS-Regimes nur 2 Bewohner durch Deportation verloren zu haben!
LI>In den letzten Kriegstagen betrieb Heinz Schauwecker im Franziskanerkloster Berching, an der Sulz zwischen Weststadt und Vorstadt gelegen, ein Rot-Kreuz-Hilfskrankenhaus, weil das Stadtkrankenhaus wegen der gesprengten Brücken über Sulz und Ludwigs-Kanal durch Liegendpatienten nicht mehr erreicht werden konnte. Dieses Hilfskrankenhaus war bereits aufgegeben, als beim Rückzug der Wehrmacht vor den Amerikanern im April 1945 von Neumarkt her die SS-Division "Götz von Berlichingen" in Berching einrückte: Zwischen Hilpoltstein, Berching und Parsberg sollte eine neue Verteidigungsstellung aufgebaut werden; als Depot für die gesamte Artillerie-Munition sollten die Keller des Berchinger Klosters dienen.
Da zu befürchten stand, dass beim weiteren Rückzug das Depot und damit die halbe Stadt Berching in die Luft fliegen würde, simulierte Heinz Schauwecker als Oberfeldführer des Roten Kreuzes - wohlgemerkt unter der persönlichen Gefahr, wegen Wehrkraftzersetzung und Sabotage standrechtlich liquidiert zu werden - mit ein paar Helfern den Fortbetrieb des Hilfslazarettes im Kloster, um dem kommandierenden General der Waffen-SS klar zu machen, dass die Munitionspläne unmenschlich seien. Schauwecker setzte sich durch und die Waffen-SS entschloss sich hierauf, ihre Verteidigungslinie inklusive Munitionslager südlich von Beilngries, bei Paulushofen aufzubauen. Welch ein Glück für Berching und seine Bewohner!
Aber auch welche Tragik für Schauweckers Familienleben: Denn in diesen Tagen schickte er seine Frau Metella (aus zweiter Ehe; mehr dazu weiter unten) mit den beiden Berchinger Kleinkindern in die Obhut eines befreundeten Geistlichen auf das Land. Metella sollte nie mehr zu ihm zurückkehren. Mitte der 40er Jahre verstarb auch Schauweckers Tochter Brigitte (aus erster Ehe in Nürnberg), die damals bereits erste Erfolge als Schriftstellerin gehabt haben soll, aber nach Schauweckers eigenen Aussagen einem Engländer zum Opfer fiel. Inwiefern, entzieht sich unserer Kenntnis.
Heinz Schauwecker hatte noch 1921 in Nürnberg die Fabrikantentochter und Lehrerin Käthe Richter geheiratet, von der er die besagte Tochter Brigitte hatte, welche allerdings jung starb (siehe oben). Er ließ sich aber, da diese Ehe unter keinem guten Stern stand, im Jahr 1931 scheiden und heiratete im Jahr darauf, genau am 19. März 1932, eine weitere Lehrerin, die 34-jährige Maria Metella Selmayr aus Berching. Aus dieser zweiten Ehe stammen drei Kinder, von denen zwei noch am Leben sind. Da ist zum einen die am 16. Mai 1933 geborene Heinrike Maria, verheiratete Zimmer aus Hechendorf am Ammersee, heute noch lebend, lerider erblindet, einen Sohn. Es folgte eine am 5. Juli 1934 geborene Tochter namens Imfriede Maria, über deren Verbleib uns nichts bekannt ist. Am 2. Januar 1937 machte schließlich ein Sohn namens "Heinz-Dieter Schauwecker", den Abscxhluss, der sich mit seiner Frau, einer geb. Steiner aus Berching, und seinen Kindern in Ilmmünster bei Pfaffenhofen niederließ.
Auch Schauweckers 2. Ehe stand unter keinem guten Stern; seine Frau behleit die Kinder bei sich, kehrte aber nach Kriegsende 1945 nicht mehr zu Schauwecker zurück. Das nachfolgende Entnazifizierungsverfahren überstand er relativ problemos. Noch im selben Jahr versuchte Schauwecker seine Praxis in der Maria-Hilf-Str. 4 und seine Krankenhaustätigkeit in Berching aufzugeben, doch schon nach einem Monat warf sein Nachfolger schwerkrank hin, sodass Schauwecker, ebenfalls durch die Kriegsereignisse geschwächt, schließlich den Praxisdienst wieder aufnahm.
Im Jahr 1963 stand dann seine Praxis ein weiteres Mal auf der Kippe. Wegen zweier schwerer Augenoperationen hatte Schauwecker einen "Arzt" angestellt, der ihn zwar gut vertrat, aber gar keine Approbation als Arzt besass. Wegen dieses peinlichen Schwindels, der zwar aufflog und die sofortige Entlassung des Hochstaplers zur Folge hatte, fand Schauwecker lange keinen Praxisassistenten mehr, sodass der 70-jährige nun selbst schon an Aufgabe dachte.
m 28. September 1972 starb schließlich Schauweckers Frau Maria Metella nach kurzem Leiden, und ihre erwachsenen Kinder trauerten. Aus der Traueranzeige war zu entnehmen, dass Schauwecker inzwischen mehrfacher Großvater geworden war. Auch wenn sich Schauwecker ordnungsgenäß einen Monat später für die erwiesene Anteilnahme für alle Angehörigen bedankte, ist nicht anzunehmen, das Schauwecker mit Frau und Kindern wieder versöhnt und in häufigem Kontakt war. Schauwecker blieb bis zu seinem Lebensende alleinstehend; zuletzt wohnte er in der St. Lorenz-Str. 15 im Hinterhaus, direkt neben seiner erste Wirkungsstätte. In diesder Zeit wurde er von einigen Berchinger Bürgerinnen versorgt.
Sein Alleinsein überwand er insofern ganz gut, als er sich neben den Beruf seinem Hobby als Dichter auch mittels verbandsarbeit zuwandte, z. B. als Präsident beim BDSÄ.
Zusammenfassung und Wertung, resultierend aus oben genannter Dissertation, erstellt mithilfe von KI (Chat-GPT):
Das Leben und Wirken von Heinz Schauwecker entzieht sich einfachen Zuordnungen. Als Arzt, Sanitäter, Schriftsteller und Heimatkundiger stand er zeitlebens im Spannungsfeld zwischen persönlicher Verantwortung, kulturellem Selbstverständnis und den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. Wer ihm heute begegnet, begegnet einem Menschen, dessen Biografie sowohl von humanitärer Haltung und Pflichtbewusstsein als auch von zeittypischen Ambivalenzen geprägt ist.
Schauweckers Streben galt einer kulturellen Identität, die er als historisch gewachsen, landschaftlich verwurzelt und über politische Grenzen hinaus verbindend verstand. Dieses Denken war nicht biologistisch oder rassisch begründet, sondern kulturgeschichtlich und humanistisch geprägt. Zugleich bediente er sich aber – insbesondere in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren, nicht-ahnend was kommt – einer Sprache der Heimat, der Herkunft und des geschichtlichen Raumes, die im Kontext ihrer Zeit anschlussfähig war an völkische Deutungen. Daraus ergab sich eine scheinbare Nähe zu den Nationalsozialisten (der im Übrigen damals nahezu jeder unterlag, der beruflich fortkommen wollte), die aber in Wirklichkeit gar nicht bestand.
Am Nationalsozialismus nahm also allen gegenläufigen Behauptungen zum Trotz Schauwecker nicht inhaltlich teil; allerdings nahm er auch nur bedingt und zeitweise die Rolle des offenen Gegners. Seine Selbstaussagen zeigen einen Arzt, der innerhalb eines zunehmend repressiven Umfelds versuchte, möglichst beruflich und menschlich integer zu bleiben – und der nur dort Grenzen zog, wo persönlicher Handlungsspielraum und Sicherheit bedroht waren.
Der Praxiswechsel nach Berching im Jahr 1938 markiert in diesem Zusammenhang keinen ideologischen Rückzug, sondern eine bewusste Schutzentscheidung.
Die über ihn angefertigte, hier immer wieder ohne eigene Kennzeichnung zitierte Dissertation folgt ebensowenig wie der von uns selbst stammende Text dieser Seite einer entlastenden oder anklagenden Lesart. Sie versteht wie wir selbst Erinnerung als verantwortete Annäherung: an einen Menschen, der sich in seiner Zeit bewegte, der ihr verhaftet war, der ihr aber zugleich nicht vollständig entsprach und der z. T. visionär nach vorne blickte. Die hier versammelten biographischen Fakten und Texte wollen also weder glätten noch verurteilen, sondern sichtbar machen, wie komplex, widersprüchlich und menschlich ein Leben sein kann, das aber immer dem Dienst am Menschen verpflichtet blieb.
Es folgen nun nochmals die Eckdaten des Lebenslaufes, ergänzt um Daten zu eigenen, eher schwachen Gesundheit:
1894
11. Oktober: Geburt von Heinz Schauwecker in Regensburg als erstes Kind des Kaufmanns Heinrich Adam Schauwecker und Rosa Marie Schauwecker, geb. Stahl.
1901–1908
Einschulung in Regensburg (Volksschule am Klarenanger). Umzug der Familie nach Nürnberg; weiterer Volksschulbesuch dort. Geburt der Geschwister Erika und Kurt. Prägend wirkt die Nähe zu den Großeltern mütterlicherseits, insbesondere zum Großvater Thomas Stahl, Lokführer und Rot-Kreuz-Sanitäter.
vor 1914
Bei der Musterung zum Militärdienst wird Schauwecker aus gesundheitlichen Gründen nicht als fronttauglich eingestuft. Ein regulärer Fronteinsatz als Soldat kommt für ihn nicht in Betracht.
1914–1918
Trotz Ausmusterung tritt er zu Beginn des Ersten Weltkriegs in den Sanitätsdienst des Roten Kreuzes ein. Einsätze in der Heimat und in Frankreich (u. a. Mars-la-Tour, Chambley). In dieser Zeit kommt es zu starken körperlichen Belastungen; rheumatische Beschwerden, die er später selbst auf diese Kriegsjahre zurückführt, treten erstmals auf.
ab 1915/1916
Beginn des Medizinstudiums (Regensburg, Würzburg, Erlangen). Studium mehrfach unterbrochen durch Kriegseinsatz, Erkrankungen und gesundheitliche Schwächungen.
1920
30. März: Ablegung des medizinischen Staatsexamens in Erlangen mit der Note "sehr gut". Promotion zum Dr. med. mit der Dissertation "Über die Formaldehydderivate Paraformaldehyd und Hexamethylentetramin." (Approbation 1920; Promotionsjahr teils auch mit 1921 angegeben.)
frühe 1920er-Jahre
Niederlassung als Arzt in Nürnberg (erste eigene Praxis). Beginn intensiver literarischer Tätigkeit. Mitwirkung an einer Festschrift/einem Festspiel zur 1000-Jahr-Feier. Fortbestehende rheumatische Beschwerden, die jedoch die berufliche Tätigkeit nicht verhindern.
1924–1937
Ausbau des Engagements im Roten Kreuz. Aufbau zahlreicher Helferinnenbereitschaften. Ernennung zum Chefarzt der Rot-Kreuz-Helferinnenbereitschaften in Nürnberg und Umgebung. Öffentliche Wahrnehmung als Arzt und Schriftsteller. Erste Ehe (zeitlich in diese Phase fallend), später aufgelöst. Die chronische Erkrankung begleitet ihn weiter, wird aber durch hohe Arbeitsbelastung und Verantwortungsdruck überlagert.
1937
Zunehmende politische Konflikte im Roten Kreuz. Keine Beförderung trotz langjähriger Bewährung; Ausschluss aus Führungsfunktionen. "Rat zum freiwilligen Ausscheiden". Die Kombination aus politischem Druck, institutioneller Ausgrenzung und gesundheitlicher Erschöpfung verschärft seine Lage.
1937/1938
Beantragung eines Disziplinarverfahrens durch Schauwecker selbst. In der Folge Stellung unter SD-Aufsicht. Er empfindet seine persönliche Sicherheit als gefährdet.
1938
Praxiswechsel von Nürnberg nach Berching. Bewusste Entscheidung: Verzicht auf die in Nürnberg aufgebaute berufliche Stellung, Aufgabe von Hausbauplänen und eines bereits erworbenen Bauplatzes, Rückzug in eine kleine, politisch weniger exponierte Stadt der Oberpfalz. Der Schritt erfolgt aus politischer Gefährdung, wird jedoch auch durch die langjährige gesundheitliche Belastung und familiäre Verpflichtung mitgetragen.
ab 1938
Dauerhafte Niederlassung in Berching als praktischer Arzt. Berching wird Lebensmittelpunkt und zentraler Ort seines literarischen Wirkens. Die geringere äußere Belastung ermöglicht eine stabilere Lebens- und Arbeitssituation trotz chronischer Erkrankung.
Nachkriegszeit (ab 1945)
Weiterführung der ärztlichen Tätigkeit in Berching. Öffentliche Wahrnehmung vor allem als Dichter-Arzt. Keine bekannten öffentlichen politischen Stellungnahmen zum Nationalsozialismus.
1964
Veröffentlichung der autobiographisch geprägten Sammlung "Mein Kaleidoskop". Teilweise erneute Praxistätigkeit, nachdem sich zeigt, dass sein Nachfolger keine Approbation besitzt. Bau eines eigenen Hauses in der Egerlandstraße 4 in Berching.
1966–1969
Mitgründung des Bundesverbands Deutscher Schriftsteller-Ärzte (BDSÄ), gemeinsam mit Alfred Rottler. Erster Präsident des Verbandes.
1972
Tod der zweiten Ehefrau Maria Metella Schauwecker. Zu diesem Zeitpunkt bereits mehrfacher Großvater.
1974
Rücktritt als Präsident des BDSÄ aus Alters- und Gesundheitsgründen. Ernennung zum Ehrenpräsidenten. Zu unbekanntem Zeitpunkt Umzug in eine schlichte Austragswohnung im Hinterhaus der Spenglerei Reindl in der St-Lorenz-Str. 15. Damit Rückkehr an den Beginn seiner Tätigkeit und seines Lebens in Berching, im Dr. Engelberger-Haus nebenan! Versorgung durch Berchinger Helferinnen und Rot-Kreuz-Schwestern.
4. Juni 1977
Tod im Alter von 82 Jahren. Beisetzung auf eigenen Wunsch in Rot-Kreuz-Uniform, im Familiengrab auf dem Berchinger Friedhof, in Begleitung einer großen Menschenmenge. Grab inzwischen aufgelöst, Grabstelle in etwa bekannt.
Schauwecker und sein geliebtes Berching:
Leider ist Schauweckers umfangreiches Werk heute in unzählige Einzelausgaben und Zeitschriften verstreut und als Gesamtwerk nicht greifbar; wir bringen aber im Folgenden wenigstens einige Auszüge davon, die mit seinem geliebten Berching zusammenhängen.
Es folgen zunächst einige Portraits Schauweckers. Links ist Heinz Schauwecker im Jahr 1925 zusammen mit dem Gründer des Laßleben-Verlags in Kallmünz abgelichtet, dem Lehrer und Zeichner Johann Baptist Laßleben (1864-1928), der auch die Zeitschrift "Die Oberpfalz" gründete, für die Schauwecker über viele Jahre tätig war. Ganz rechts sehen wir sein Aussehen in fortgeschrittenem Alter, numnmehr in der Uniform eines Chefarztes des BRK.
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HEIMAT
Wer die Heimat preisgibt,
Sich lossagt von seinem Volke,
Treibt wie das herbstfahle Blatt,
Losgerissen und ohne Halt,
Ziellos taumelnd im Wind,
Spiel jeder fremden Gewalt.
Staatsformen ändern sich, Heimat hat Dauer!
Welch eine Aktualität, gerade in einer Zeit der Globalisierung!
So heimatgebunden Heinz Schauwecker auch war, er war rastlos und unermüdlich, wenn es darum ging, die Kunde vom Wert des Patriotismus in die Welt zu tragen. Neben Praxis und Dichtung war er zwar nicht parteipolitisch - das war er übrigens nie gewesen -, dafür umso mehr berufs- und bildungspolitisch unterwegs: erst in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, nach dem Krieg im neuen Freistaat Bayern, in der jungen BRD, ja selbst in der Welt:
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Als Chefarzt des Bayerischen Roten Kreuzes im Kreisverband Beilngries saß er z. B. nach dem 2. Weltkrieg auch im Vorstand des BRK-Bezirksverbandes Niederbayern/Oberpfalz. Schon 1928 hatte er die erfolgreiche Schriftenreihe "Rast am Tor" gegründet (vgl. weiter unten), im Jahr 1951 folgte als Gründung das zweijährig stattfindende, große Heimatfest des sogenannten "Nordgautages", das bis heute vom Oberpfälzer Kulturbund weiter gepflegt wird. Schon 75 Jahre alt, gründete er noch den "Bund der bayerischen Schriftsteller-Ärzte", initiierte danach die Gründung den "Bundesverbandes deutscher Schriftsteller-Ärzte" (BDSÄ), dessen Präsident er bis 1974 war, und erreichte selbst gegen Widerstand dessen Aufnahme in die "Weltorganisation der Schriftsteller-Ärzte", als deren Vizepräsident er im Jahr 1972 den 17. Weltkongress in Regensburg leitete. Es prägte ihn Zeit seines Lebens auch ein herzliches Verhältnis zum Verlag der Familie Laßleben in Kallmünz - mit teils schritstellerischem, teils redaktionellem und editorischem Engagement.
Heinz Schauwecker zog gegen Ende seines bewegten Lebens folgende dichterische Bilanz:
BILANZ
Von allem,
was ich für mich getan,
blieb nur ein schaler Satz.
Was ich für andre tat,
lebt fort,
hat mir gebracht
Freundschaft und Liebe,
so meines Winters kalte Tage
ein wenig wärmt
und heiter macht.
Heinz Schauweckers gesamter Nachlass (untergebracht in insgesamt 30 Kartons) stünde für Forschungszwecke bereit, in der Staatlichen Bibliothek Regensburg. Daran gemacht hat sich unseres Wissen noch keiner.
Wir wollen uns im Folgenden auf die Vorstellung derjenigen Werkstücke beschränken, die Heinz Schauwecker seiner Heimatstadt Berching gewidmet hat - zur Freude für alle, die Berchinger mit Leib und Seele sind, als Mahnung an unsere Jugend und Ermunterung, den Schauwecker'schen Heimatgedanken allen Widerständen zum Trotz auch in die Zukunft weiterzutragen!
Eine Episode aus dem Bauernkrieg 1525
Heinz Schauweckers Schauspiel zur 1000-Jahrfeier in Berching 1926
Als Heinz Schauwecker Berching als künftigen Lebensschwerpunkt wählte, war ihm der Ort nicht unbekannt. Bereits im Jahr 1921 hatte er Berching anlässlich einer Treidel-Bootsfahrt auf dem Ludwig-Kanal kennengelernt. Im Jahr 1926 erhielt er dann den Auftrag der Stadtgemeinde Berching, für die anstehende 1000-Jahrfeier ein Festspiel zu schreiben.
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Aus diesem Grund hielt sich Heinz Schauwecker im Sommer 1926 für mehrere Wochen in der Stadt auf und studierte dabei intensiv die Geschichte Berchings. Dabei muss sich eine Art von Liebe auf den zweiten Blick entwickelt haben, so dass dann 1938 die Entscheidung, für immer in die westliche Oberpfalz und an die Sulz zu wechseln, relativ leicht fiel. Der Wechsel dürfte allerdings Schauwecker auch insofern leicht gefallen sein, als ihm kurz zuvor die Nazionalsozialisten in Nürnberg unter Missachtung seines vorherigen Engagements beim Roten Kreuz Nürnberg und Bayern einige Posten entzogen hatten (Schauwecker war zuvor leitendes Mitglied der Sanitätskolonne Nürnberg, außerdem Mitbegründer der Helferinnenbereitschaften Nürnberg, Ansbach, Schwabach, Weißenburg sowie Stadtschul- und Flughafenarzt von Nürnberg gewesen).
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Schauwecker arbeitete an seinem Manuskkript zum Fest fleißig und zügig, so dass bei der Feier sein "Berchinger Spiel", eine Episode aus dem Bauernkrieg 1525, wie geplant aufgeführt werden konnte. Szenenbild und Kulisse prägte die ehemalige Propstei am Gredinger Tor, die damalige Schreinerei Pirkl. Die Musik kam von seinem Bekannten Rudolf Eisenmann, der mit der Berchinger Färbermeisterstochter Walburga Allio verheiratet und selbst ein begabter Komponist und Dirigent war. [Link] Von der Aufführung, die unter Mitwirkung von zahlreichen Berchinger Laienschauspielern auf einer niedrigen hölzernen Bühne stattfand, haben sich einige Bilder enthalten:
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Von links: Galster Erika, Lichtenegger Alfons, Krebs Clement, Hollnberger Adolf, Klenner Josef, Schätz Franz.
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Es war für uns gar nicht so leicht, Heinz Schauweckers Textbuch zum Festpiel zu besorgen. Am Ende gelang es doch, als Kopie aus der UB Eichstätt:
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Das Berchinger Historienspiel fand wie das im selben Jahr geschriebene Heimatspiel "Bürgertreue" für Kallmünz große Anerkennung und begründete Schauweckers Ruf als begabter Autor historischer Schauspiele. So folgten nach dem Krieg in der Westoberpfalz auch der "Haug von Parsberg" ( 1950), das "Schweppermannspiel" für Kastl (1953) und schließlich der "Bernhard von Weimar vor Beilngries" (1953).
Das Krapfentor als Heimatdank
Stiftung Dr. Schauweckers im Jahr 1926
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Diese Fotografie des Jahres 1926 zeigt Dr. Schauwecker vor seinem Torturm, zusammen mit den Berchinger Kindern (von rechts nach links): Toni Köstler, Hans Regnath, Kathl Regnath, Marie Stürmer, Bärbel Sandner, Anni Bayerschmidt und Fanny Ferstl (Hainz).
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Heinz Schauweckers Stiftung wurde schon im Jahr 1952 wieder aufgelöst. Aktuell haben wir weder Information darüber, aus welchen Grunden dies geschah, noch, wie sich der Schriftstellerarzt selbst dazu stellte. Vermutlich ging es, wie in solchen Fällen üblich, um das Geld und die Verantwortlichkeit für den Unterhalt. Heute ist der Turm heruntergekommen, unbewohnbar, das beistehende Pflasterzollhaus vernichtet, damit jeglicher Sinn für das Schöne in Berching verloren gegangen.
Stadt Berching in der Oberpfalz
von Dr. Heinz Schauwecker (1894-1977)
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Heimatdankgabe 1928-1931
gegründet von Dr. Heinz Schauwecker im Jahr 1928
Heinz Schauwecker hat in Zusammenarbeit mit dem Lassleben-Verlag Kallmünz seine "Rast am Tor" in den Jahren 1928 bis 1931 in vier Einzelausgaben editiert und dabei bis dato unbekannten oberpfälzer Schriftstellern und Dichtern die Möglichkeit geboten, ihr Können vorzustellen. Der Titel "Rast am Tor" bezieht sich konkret auf das Berchinger Krapfentor im Norden der Vorstadt, damals noch, wie deutlich auf dem Titelblatt zu sehen ist, mit dem Pflasterzollhäuschen zur Linken, das vor wenigen Jahren einer frevlerischen Spitzhacke zum Opfer fiel [Link].
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Später erschienen noch ein paar Sammelausgaben, doch während des Zweiten Weltkriegs kam diese Edition zum Erliegen. Nach Kriegsende lebte die Reihe jedoch wieder auf, ab 1952 als Kulturteil der Zeitschrift "Die Oberpfalz". Als Emblem dieser anfangs von Heinz Schauwecker redigierten Sammlung von Kurzgeschichten und Gedichten diente nach wie vor das Berchinger Krapfentor, nunmehr in stilisierter Form:
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In dieser Intention erscheint die Sektion "Dichtung, Musik und bildende Kunst der Oberpfalz" in der Zeitschrift "Die Oberpfalz" noch heute.
Loseblatt-Sammlung von vertonten Weihnachtsgedichten
von Dr. Heinz Schauwecker - 1929
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Gedichte und Erzählungen
von Dr. Heinz Schauwecker - 1955
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Gedichte - zugeeignet der Stadt
von Dr. Heinz Schauwecker - 1957
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zugeeignet der Stadt
von Dr. Heinz Schauwecker - z. T. undatiert
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Erlebnisbericht eines Rot-Kreuz-Arztes
von Dr. Heinz Schauwecker - 1959
Im Jahr 1559 gab Dr. Heinz Schauwecker ein Büchlein von ca. 200 Seiten heraus, einen autobiografischen Bericht - u. a. darüber, was ihn schon als Kind motiviert hatte, sich beim "Roten Kreuz" zu engagieren, wie er als Sanitäter und Rot-Kreuz-Soldat den Ersten und Zweiten Weltkrieg überstand und wir er nach dem letzten Weltkrieg als BRK-Funktionär von Berching aus mithalf, dem "Deutschen Roten Kreuz" wieder weltweite Anerkennung zu verschaffen.
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Insbesonders Schauweckers Schilderung der letzten Weltkriegstage in Berching sind ein außerordentlich wertvolles Zeit- und Lokalzeugnis Berchings, und ein weitgehender Beleg dafür, dass die eingangs erwähnten Eigenschaften des Schriftstellerarztes auch zutreffen.
Wir haben den im Buchhandel gar nicht mehr und in den Antiquariaten kaum mehr erhältlichen Bericht "Das unabdingbare Vermächtnis", den uns dankenswerterweise Dr. Wilhelm Schröttle zur Verfügung gestellt hat, in moderne PDF-Schreibweise umgesetzt und empfehlen allen Berchingern die Lektüre, vor allem die Lektüre der ihre Heimatstadt betreffenden Seiten, deren Inhalt an Anschaulichkeit nicht zu überbieten ist (Seite 79 neue Edition, S. 156 alte Edition).
Zum Download gelangt man durch Klick auf das folgende Bild, einem Auszug aus der Original-Edition von 1959!
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