© Werner Robl, Berching, 2026 - Version 15. April 2026
"[...] so auch sonders hochgeehrter Herr Asamb, in das eben in dem Pau bef(indliche) Gottshaus Deusmaur bin ich wilhents noch ein Seithenaltarplätl gleich des Plats in dem Altärl so zu Velburg in der Stadpfarrkhürchen stehet, machen und den h. Erasmus mahlen zu lassen [...] daher daryber meines hochgeehrten Herrn Asambs Gedankhen zu entwerffen und mir es zukhommen ze lassen [...]"
Aus einem Brief des
Tilly'schen Pflegers Johann Velhorn an Georg Asam,
vom 11. August 1710, Staatsarchiv Amberg, Pflegamt Helfenberg, Nr. 6.
In der Kirche "Mariä Himmelfahrt" im Markt Allersberg (Landkreis Roth) stehen seit
1960 zwei barocke Seitenaltäre, die bis dato in ihrer kunsthistorischen Bedeutung nicht
erkannt sind. Die
beiden portablen Altäre, die von ca. 1710/16 bis 1959 in der Stadtpfarrkirche "Johannes Baptist" in
Velburg als Nebenaltäre aufgestellt waren, ehe sie für 8000 DM Kaufsumme an die Pfarrei Allersberg
abverkauft wurden, wurden in toto, d. h. mit 4 Altarbildern und den jeweiligen Fassungen, von
Mitgliedern der berühmten bayerischen Künstlerfamilie Asam ausgeführt.
Beide Altäre wurden zur Schaffung privilegierter Grabplätze (innerhalb der Velburger Pfarrkirche) von
gebildeten Velburger Bürgern privat gestiftet, weshalb sie - mit einer bedeutsamen Ausnahme - in Amtsakten und Kirchenrechnungen nicht auftauchen. Dennoch war es möglich, die Stifterpersonen zu ermitteln: Auftraggeber für den rechten
Altar war der pfalz-neuburgische
Kastner
und nachmalige Pfleger Michael Hayer († 1719); für den linken
Altar gab der katholische Priester und spätere Benefiziat Martin Hieber (†
1731)
den Auftrag. Eine
fach- und sachgerechte Restaurierung aller Gemälde könnte zum Erhalt dieser wertvollen Altargruppe beitragen
und noch einige offene Fragen klären! Berching, den 11. März
2026
gez. Dr. Werner Robl
Nach
einer gründlichen ikonografischen Untersuchung der vier Altarbilder und ihrer Malerhände, sowie nach einer
historischen Einordnung der Altäre und ihrer Entstehungsumstände steht jedoch fest:
Nur
das Familienhaupt Hans Georg Asam (1649-1711) fehlt in dieser
Aufstellung; dieser war - im Grunde genommen bereits an der Schwelle zum Tod stehend - in der betreffenden
Zeit stark auswärts engagiert und konnte für Velburg nicht mehr selbst ans Werk gehen.
Durch Klick auf das jeweilige Bild gelangt man zu einer vergrößerten Darstellung!
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Wir beginnen mit dem Gemälde des epistelseitigen (rechten) Seitenaltars der Pfarrkirche "Mariä Himmelfahrt" in Allersberg, auf der folgenden Übersichtsaufnahme zur Rechten. Später geht es um beide Seitenaltäre und ihre vier Gemälde, als Ensemble.
Die folgenden Aufnahmen wurden mit der Kamera eines Samsung-Galaxy-S20 Mobiltelefons gemacht. Bei diesem werden Farben je nach Bedarf automatisch aufgefrischt. Will man eine Vorstellung vom Zustand des Altarbildes gewinnen, so wie es sich dem Betrachter vor Ort präsentiert, besteht am ehesten der Aspekt wie auf dieser Übersicht. Das auf einen Holzrahmen aufgezogene Altarbild der Himmelfahrt Mariens ist stark verbräunt und nachgedunkelt, stellenweise auch beschädigt; die unteren Bildinhalte sind mit dem bloßen Auge so gut wie nicht mehr zu erkennen.
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Das Gemälde zeigt die Gottesmutter himmelwärts schwebend in einer Wolken- und Engelsglorie, umgeben von vielen Putten, z. T. mit Rosen. Die Gruppe der greisen Apostel (Petrus, Johannes etc.), unten zur Linken, befindet sich vor dem offenen Sarkophag Mariens, in Andacht und Erschütterung zugleich. Einer der Apostel führt das Sargtuch Mariens zu seinem Gesicht. Zur Rechten öffnet sich im Hintergrund eine weite Landschaft. Trotz der dortigen Leinwandschäden (z. T. kaschiert mit einem Palmenstumpf) erkennt man eine offene Talflanke mit einem Bergrücken rechts. Auf diesem befindet sich, aktuell kaum zu erkennen, eine Kirche und/oder eine Veste.
Der Maler des Bildes beachtete in den mittleren und oberen Bildpartien die dynamische Diagonale. Der Aspekt der Aufwärtsbewegung entsteht durch Engel und Wolken (wie Wattebausche), mit einer illusionistischen Tiefe, die sich von den Wolken unten bis zum Glorienschein oben erstreckt, hinter dem sich der Himmel zu öffnen scheint. Die Apostel links unten bieten als rel. statische Gruppe den Widerpart.
An Stilmerkmalen finden sich:
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Wir nennen dieses Ölgemälde bewusst die Himmelfahrt Mariens - mit dem Herzgriff:
Maria greift bei der Himmelfahrt mit ihrer Rechten zur Brust, zum Sitz ihrer Seele und ihres Schmerzes; ihr Herz scheint die Tunika an dieser Stelle blutig zu durchtränken. Die Vorstellung einer bloßen Schattierung der Hand haben wir wegen der weinroten Farbe, der unregelmäßigen Konturierung und der Tingierung der Fingerendglieder verworfen.
Diese Darstellung erscheint uns als ein außerordentlich seltenes, wenn nicht singuläres Phänomen, das wir weiter unten noch ausführlich kunstgeschichtlich einordnen. Vorweg: Den "Blutschatten" kennen wir so nur von diesem Gemälde!
Notabene: Die Fachwissenschaft
hat bislang dieses Phänomen des Herzgriffs nicht beobachtet, kennt also folglich auch keinen
etablierten Fachbegriff dafür. Wir haben den Ausdruck Herzgriff mangels eines Besseren gewählt. Es geht hier
selbstredend nicht um die anatomisch korrekte Lage des Herzens - dieses ist mittelständig, auch nicht links
thorakal gelegen, wie viele meinen -, es geht um symbolische Wiederaufnahme eines bekannten biblischen
Motivs, nämlich der "schmerzhaften Muttergottes", nach der Weissaung des greisen Simeon für Maria,
bei der Darbietung des Herrn im Tempel. Hier liest man bei Lukas, Kap. 2, 35: "Und Deine eigene Seele wird
ein Schwert durchdringen. So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden."
So wäre bei dem beschriebenen kunstgeschichtlichen Phänomen eigentlich der Ausdruck "Griff nach der Seele",
kurz "Seelengriff", oder "Griff nach der Brust", kurz "Brustgriff", angebracht. Beide halten wir jedoch für
ungeeignet und missverständlich: 1. ist eine Seele, selbst wenn ihr Sitz häufig mit der Brust assoziiert
wird, immaterieller Art, kann also nicht mit der Hand ergriffen/berührt werden, 2. entstünde beim
"Brustgriff" eine ungute sexistische Konnotation, die weder in unserem Sinn noch im Sinn des Malers sein
kann.
So bleibt am Ende nur der Terminus "Herzgriff", wobei man jedoch die Vorstellung von der exakten
anatomischen Lage des Herzens lösen muss!
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Es folgen noch einige Partien dieses Gemäldes im Detail:
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Man beachte am folgenden wie am vorangegangenen Ausschnitt, dass ein greiser Apostel mit androgenetischer Stirnglatze (Petrus?) das wohlduftende Sargtuch Mariens aus Ehrerbietung küsst oder daran riecht (wie in der Vorlage der Legenda aurea, nach Cosmas von Jerusalem). Dazu mehr später!
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Nun die Dokumentation des Bildschadens rechts unten. Hinter dem eingezeichneten Palmenstumpf erkennt man nur
mit Mühe einen Berg mit Gebäude!
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Eine Künstler-Signatur entdeckten wir nirgends!
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Bernardo
Daddi: Mariä Himmelfahrt von 1337.
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Der Florentiner Francesco Botticini (1446-1497) nahm 1475 erstmals den offenen Sarkophag der Legenda aurea ins Visier, mit duftenden Blumen. Die Himmelskreise sind inspiriert von Dante Alighieris "Divina Commedia" (1306-1321), bzw. von Giorgio Vasaris Kuppelfresko des Doms von Florenz (1572-1574).
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Botticini:
Mariä Himmelfahrt von 1475.
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Im Jahr 1516 griff in Florenz Fra Bartolommeo (1472-1517) dieses im wahrsten Sinn des Wortes "florentinische" Motiv (von lat. "flora" = "die Blume") nochmals auf.
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Fra
Bartolommeo: Mariä Himmelfahrt von 1416.
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Es dauerte lange, bis sich das Sarkophag-Motiv - auch ohne Blumen - durchsetzte. Lange Zeit bevorzugten die italienischen Kunstmaler für die Basisgruppe auf der Erde stehende Personen (ohne Sarkophag), welche mit den Blicken Marias Himmelfahrt folgen, so z. B. der Venezianer Lorenzo Lotto (1480-1557), hier mit dem heiligen Antonius Abate und dem heiligen Ludwig von Toulouse.
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Lorenzo
Lotto: Mariä Himmelfahrt 1505.
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In diese Reihe gehören auch Pietro Perugino (1448-1523), Rosso Fiorentino (1495-1540) und Jacopo Palma il Vecchio (1480-1528), mit ihren Himmelfahrt-Gemälden.
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Pietro
Perugino: Mariä Himmelfahrt 1506.
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Das berühmteste Bild dieser Art, gemalt auf Holz um 1516 und oft kopiert (z. B. von Anselm von Feuerbach 1855), stammt jedoch von Tiziano Vecellio, genannt Tizian (1488-1576).
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Tizian:
Mariä Himmelfahrt 1516.
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Einen offenen Sarkophag mit Sargtuch finden wir erstmalig 1510 bei Albrecht Dürer.
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Albrecht
Dürer: Mariä Himmelfahrt 1510.
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Eine ähnliche Bodenszenerie findet sich 1590 bei Annibale Carracci (1560-1609) aus Bologna, nur dass hier einer der Apostel erstmalig mit den Fingerspitzen das Sarg- oder Leichentuch Mariens aus dem leeren Sarkophag herauszieht.
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Annibale
Carracci: Mariä Himmelfahrt 1590.
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Eine grundlegende Wende in der Gesamtdarstellung der Himmelfahrt Mariens brachte der flämische Maler Otto van Veen (1556-1629), der 1611 an einem Wettbewerb für den Himmelfahrt-Altar in der Antwerpener Liebfrauenkathedrale teilnahm, und nunmehr bei seinem Bewerbungsbild als einer der ersten einer Bodenszenerie mit Sarkophag und Sargtuch eine himmelfahrende Maria mit Herzgriff hinzufügte.
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Otto
van Veen: Mariä Himmelfahrt 1618 - mit dem Herzgriff.
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Van Veen hatte offensichtlich eine Vorliebe für die Herzgriff-Pose schon zuvor entwickelt, wie man anschaulich an seinem Gemälde "Christus bei Maria und Martha", gemalt zwischen 1596 und 1598, erkennt.
Der "Herzgriff Mariens" war wiederum keine Erfindung Ottos van Veen. Das Motiv war schon
zuvor in der italienischen Renaissance vereinzelt aufgetaucht, hatte aber insgesamt nur wenig Nachahmer
gefunden:
Einer seiner Entwürfe - denn es folgten dem Wettbewerbsentwurf alsbald noch weitere - zeigt erstmals explizit eine äußerst dynamisch zum Himmel fahrende Muttergottes, mit weit ausgebreiteten Armen, und das ebenfalls dynamische Herausziehen des Sargtuches aus dem leeren Sarkophag Mariens, durch einen der Apostel. All dies in einer gemeinsamen Szenerie.
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Peter
Paul Rubens: Mariä Himmelfahrt 1637.
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Seinen Wettbewerb hatte Peter Paul Rubens allerdings mit einer Maria gewonnen, welche mit ihrer Linken zu ihrem Herzen griff. Er war hierbei offensichtlich seinem Lehrer Otto van Veen gefolgt, oder die Jury in Antwerpen hatte beide Gesten - Herzgriff Mariens und Herausziehen des Sargtuches - gefordert. Es folgt nun Rubens' berühmte Darstellung der himmelfahrenden Madonna mit dem Herzgriff:
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Peter
Paul Rubens: Mariä Himmelfahrt 1616 - mit dem Herzgriff.
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An Peter Paul Rubens' oder Otto van Veens Herzgriff könnte sich auch Franz Joseph Geiger (1644-1691), Maler, Radierer und Stecher aus Landshut, später Hofmaler und Historienmaler in München, orientiert haben, wenn er im Jahr 1676 für das Rathaus der Landesfeste Ingolstadt ein Votivbild mit folgender Mariendarstellung malte.
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Das
Votivbild der Stadt Ingolstadt von Joseph Geiger, aus dem Jahr 1676.
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Hier erkennt man neben den Randfiguren (z. B. links unten Statthalter Graf Johann Berlo de Coquier, Universitäts-Rektor Dominikus von Bassus und Professoren der Universität, ansonsten diverse Engelsgruppen und Wappen) in der zentralen Muttergottes die Schutzpatronin der Stadt Ingolstadt. Auch sie greift mit ihrer Linken zur Brust, wobei ihre Hand sogar einen Schlagschatten am Untergewand wirft, der entfernt an das Allersberger Bild erinnert.
Damit hat es sich aber u. E. schon mit den Analogien: Maria fährt hier nicht auf in den Himmel, sondern sitzt ruhig und ohne Dynamik auf einem Wolkenthron (ähnlich wie 1616 bei Otto van Veen; vgl. oben). Darüber entfaltet sich als Band der Weihespruch eines alten Mariengebetes, das "Sub tuum praesidium confugimus - Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir."
Was Peter Paul Rubens anbetraf, so war er ein gewiefter Geschäftsmann. Um den Stil seiner Gemälde in den Fürstenhäusern und Bischofshöfen Europas zu verbreiten, beauftragte er in der Folge diverse Graveure, darunter den friesischen Kupferstecher Schelte Adamsz à Bolswert (1586-1659) und den flämischen Kupferstecher Paulus Pontius (1603-1658), detailgetreue Stiche von seinem Großgemälden anzufertigen. Diese fanden in den Malerwerkstätten Europas alsbald weite Verbreitung.
Hier zunächst als Stich eine weitere Version des Mariä-Himmelfahrt-Motivs von Peter Paul Rubens, aus der
Hand Schelte Adamsz' von Bolswert.
Er folgt ein weiterer Stich von Paulus Pontius, der den Herzgriff der himmelfahrenden Maria schon wesentlich genauer wiedergibt:
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Paulus
Pontius: Himmelfahrt Mariens, Kupferstich nach Rubens' Vorlage, von 1624.
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Ein sehr schönes Beispiel für Weiterentwicklung des Mariä-Himmelfahrt-Motivs in den Niederlanden liefert 1714 der in Rotterdam geborene Adriaen van der Werff (1659-1722), der auch viel für den Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz arbeitete. Neben einer von Putten und Genien nach oben getragenen Herzgriff-Madonna als Zentralfigur sticht besonders das eindrucksvolle Hell-Dunkel des Wolkenhimmels hervor. Eine Bodengruppe mit Aposteln fehlt hingegen vollständig.
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Tafelbild
"Mariä Himmelfahrt" von Adriaen van der Werff, 82 x 58 cm, heute Bayerische
Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, Inv. Nr. 228.
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Wenn der Salzburger Barockmaler Johann Michael Rottmayr (1654-1730), der die Asams in vielfältiger Weise beeinflusste [vgl. Helene Trottmann: Cosmas Damian Asam 1686-1739, 123ff.] bei seinem 1696 in Salzburg handsignierten Großgemälde die Himmelfahrt Mariens aufgriff, dürfte er sich an den Vorlagen von Rubens und Adamsz' à Bolswert orientiert haben, wobei allerdings eine nochmals geänderte Haltung Mariens - beide Hände zum Gebet gefaltet - für eine diesem Künstler angemessene Eigenständigkeit spricht. Dazu gehört auch die avisierte Krönung Mariens durch Gottvater, Gottsohn und den Heiligen Geist, im Gemälde ganz oben.
Dieses eindrucksvolle Großgemälde befindet sich heute im Stift Heiligenkreuz im Wienerwald.
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Rottmayrs
Altarbild aus dem Stift Heiligenkreuz, von 1696.
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Links
Rottmayrs Altarbild aus dem Stift Heiligenkreuz, von 1696, recht ein Bozetto zum selben Thema, das
von Rottmayr stammen soll.
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Mit dem Salzburger J. M. Rottmayr sind wir nun ausschließlich in den altbayerischen und alpenländischen Raum gewechselt:
In der an den Freisinger Kreuzgang angrenzenden Kirche St. Benedikt, welche 1716 barock stuckiert wurde, befand sich ein barocker Altar, für den ein Künstler unbekannten Namens ein Gemälde gemalt hatte, das nahezu 1:1, aber in spiegelbildlicher Form, die Zentralpartie des Antwerpener Altarbildes von Peter Paul Rubens übernahm. Vermutlich hatte ihm die spiegelverkehrte Kopie eines Stiches von Schelte Adamsz à Bolswert vorgelegen.
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Der
Mariä-Himmelfahrt-Altar aus St. Benedikt in Freising.
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Das
Mariä-Himmelfahrt-Altarblatt aus St. Benedikt in Freising - rechts zum Vergleich das Hochaltarbild
von Antwerpen.
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Durch das Spiegelbild wurde der bei Rubens' eher beiläufige Griff Marias nach der Herzgegend, mit der Linken, zum bedeutsameren, weil gezielten Griff zum schmerzenden Herzen, mit der Rechten. Dieses Freisinger Altarblatt wird uns in Zusammenhang mit dem Allersberger/Velburger Altarblatt noch einmal begegnen.
Von Rottmayrs Bodenszenerie ausgehend, lässt sich gut die Entwicklung des Umgangs der Apostel mit dem Sargtuch Mariens verfolgen. Dazu muss man jedoch zunächst 65 Jahre vor Rottmayr zurückgehen:
Denn eine täuschend ähnliche Szenerie findet sich bereits bei Giovanni Lanfranco (1582-1647), 65 Jahre früher. Auf Lanfrancos Altarbild von 1631, heute in der Christkönig-Kirche in München-Nymphenburg, scheint Petrus (oder der rechts neben ihm stehende Apostel) am Grabtuch zu schnuppern oder es küssen zu wollen. Doch dies ist ein falscher Eindruck, denn bei genauerem Hinsehen befindet sich der Kopf des Apostels in Wirklichkeit in erheblicher Distanz zum Tuch! Also erneut keine Beachtung - genau so, wie 40 Jahre zuvor bei Annibale Carracci, auf seinem Altarbild von 1590!
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Detail
aus Giovanni Lanfranco: Mariä Himmelfahrt von 1631.
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Schon etwas expliziter, aber im Grunde genommen noch immer beiläufig, hatte sich die Aktion mit dem Sargtuch bei Peter Paul Rubens (1616) und seinem Kopisten, dem Freisinger Anonymus (vor 1710), dargestellt.
Speziell auf dem Freisinger Altarbild ist bereits angedeutet, dass das zurückgelassene Sindon der aufgefahrenen Muttergottes zum Riechen und Küssen an den Mund geführt werden könnte. Beim genauen Hinsehen wird es allerdings auch hier von einem stehenden jüngeren Apostel (Johannes?) neben Petrus nur hochgezogen und untergegriffen. Also auch hier keine weitere Beachtung, vielmehr der Blick nach oben!
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Das
Leichentuch in St. Benediktus in Freising.
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Es war nun definitiv J. M. Rottmayr, der 1696 erstmals die Hinwendung zweier Apostel an das Sargtuch in seiner Malerei verankerte. Es entsteht nun sogar der Eindruck einer Küss- oder Riechgeste, wobei jedoch beides bei dem Tuchbausch, den die Hand des Apostels Petrus geformt hatte, nur angedeutet und nicht sicher vollzogen ist.
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Täuschend ähnlich ist übrigens in diesem Zusammenhang (mit dem Sargtuch) das Altarbild der Kirche "Mariä Himmelfahrt" in Neunkirchen am Sand. Der dortige Altar aus der Zeit um 1723/24 stammt von Johann Michael Doser (1678-1756), das Altarbild von Johann Gebhard (1676-1756) aus Prüfening, der später, im Jahr 1733, unter der Führung der Asam-Brüder die Kirche St. Emmeram in Regensburg mit-ausgemalt hat.
Ebenfalls von Gebhard stammt der ganz ähnlich gestaltete Hochaltar der Franziskanerkirche Kelheim, geschaffen im Jahr 1711.
Beide figurenreich gestalteten Altarblätter haben sich im Gegensatz zum Entwurf des Allersberger/Velburger Marienbildes von den Vorlagen Lanfrancos (und ev. Rottmayrs) kaum gelöst: Auf dem zuerst genannten Altarblatt zeigt nur eine Handgeste des Petrus eine gewisse Zuwendung zum Sargtuch, sein Gesicht selbst wendet sich davon ab. Auf dem zweiten Altarblatt wird das Sargtuch mit drei Rosen breit herausgezogen; auch hier verdeutlicht nur die Handauflage eines Apostels ein gewisses Interesse.
So bleibt es bei jedem der hier vorgestellten Altarbilder bei der vagen Vermutung, ein Apostel hätte anschließend an diesem Tuch gerochen oder es gar geküsst, denn konkret dargestellt sind diese Gesten nicht!
An dieser Stelle endet unsere Auflistung von Altarbildern, die die Himmelfahrt Mariens thematisieren - ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wir haben diese Bildergalerie, die einen Bogen von der italienischen Renaissance bis zum süddeutschen Barock schlägt, nur deshalb zusammengestellt, um hinterher die Einordnung des Allersberger Altarbildes etwas trennschärfer und für den Leser nachvollziehbarer vornehmen zu können. So bitten den Leser dieses Klapp-Kapitels, beim Vergleich immer wieder auf diese Vorlagen zurückzugreifen!
Zu den beiden Seitenaltären von Allersberg, speziell aber zum soeben gezeigten Altarbild "Himmelfahrt Mariens", erreichten uns seitens der Allersberger Pfarrsekretärin Petra Schmidt-Lerzer dankenswerterweise folgende Informationen aus dem Allersberger Pfarrarchiv. Hier kann man die Umstände des Transfers der Altäre relativ genau nachverfolgen.
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Das Altarbild mit der Himmmelfahrt Mariens ist das
künstlerische wertvollste Gemälde der Allersberger Seitenaltäre. Wir halten dieses Ölgemälde (auf Rahmen
gezogen) für ein Frühwerk Cosmas Damian Asams (1686-1739), geschaffen um 1709/10, also vor dem Tod des
Vaters Georg Asam im März 1711 und vor der Ausbildung an der Accademia di San Luca in Rom 1712/13.
Aber auch alle anderen Gemälde und die Ursprungsfassungen beider Seitenaltäre tragen den berühmten Künstlernamen "Asam", nunmehr die Namen der Mutter und der Geschwister Cosmas Damian Asams!
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Das
Hochaltarbild von Günching, aus dem Jahr 1716.
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Die
"Himmelfahrt Mariens" auf dem rechten Seitenaltar der Pfarrkirche Untermenzing bei München, von
Georg Asam, 1700.
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Das
"Pfingstwunder" auf dem rechten Seitenaltar der Pfarrkirche Untermenzing bei München, von Georg
Asam, 1700.
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Obere
Partie des Hochaltarbildes "Auferstehung Jesu Christi" in der Abteikirche Michaelbeuern, 1691, von
J. M. Rottmayr.
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Ausschnitt
aus dem Kuppelfresko im Kloster Ensdorf 1714.
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Ausschnitt
aus dem Kuppelfresko im Kloster Tegernsee, gemalt von Georg Asam 1670.
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Links
Ausschnitt aus der Asam'schen "Rosenkranzspende" im Kloster Metten (um 1726), rechts seine
"Katharina" im Simon-Höller-Haus Straubing (1713/14).
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"Der italienische Hoch- und Spätbarock hat Asam zwei Richtungen illusionistischer Deckenmalerei überliefert [...] Die eine war eine Art von Himmelsdarstellung oder Raumöffnung in eine himmlische Sphäre; der bevorzugte, wenn auch nicht ausschließliche Ort solcher illusionistischer Heiligen- und Engelsglorie war die Kuppel. Asam hatte diese Vorgabe aufzunehmen, doch waren solche Ausmalungen mit Figuren in Freiräumen nicht seine Stärke [...]", urteilte einst Bernhard Rupprecht [Ausstellungskatalog Aldersbach 1986, 12] "[...] Mit dieser Art der Flächenfüllung verzichtet Asam bei seinen frühen Bildern auf eine wirkliche räumliche Ausgestaltung der Hintergründe, überhaupt auf die Angabe eines Raumes [...]" meinte zum selben Thema Helene Trottmann [a. a. O., 45]
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Glorie
des Weihnachtsengels in der Klosterkirche Aldersbach.
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Sollte Asam wirklich beim Fluchtpunkt aller Perspektiven, beim Augenfang und Sehnsuchtsort der
Gläubigen, bei der Himmelsglorie malerisch geschwächelt haben - im Gegensatz zu den Rand- und
Vordergrundpartien?
Dies lässt sich maltechnisch nicht recht begründen.
Wir halten den festgestellten "Mangel" eher für den Ausdruck der Auffassung von Asam und manchen
seiner Malerkollegen, dass jeder gläubige Christ Gott selbst und seiner Glorie "verecundia", d. h.
Scheu und respektvolle Zurückhaltung schulde! Obendrein ist die richtige und vollständige Erkenntnis des
Göttlichen dem Menschen zu Lebzeiten gar nicht möglich - nach dem berühmten Wort des Apostels Paulus in
Korintherbrief 1, Kap. 13, 12: "Videmus nunc per speculum in enigmate tunc autem facie ad faciem. Nunc
cognosco ex parte tunc autem cognoscam sicut et cognitus sum. - Jetzt sehen wir wie durch ein
[früher trübes] Spiegelglas, voller Geheimnisse, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Nun erkenne ich
nur zum Teil, dann aber werde ich ganz erkennen, wie ich auch selbst erkannt bin."
Kurz: Was man Asam vordergründig als Malschwäche anrechnen könnte, ist nach unserem Empfinden das
bewusst eingesetzte Gestaltungsmittel eines wahrhaft christlichen Malers, nämlich die eigentliche
Himmelzone gezielt im Vagen und Unscharfen zu lassen, da uns Irdischen alle Mittel der wahren Erkenntnis
fehlen!
Nun aber das Faszinosum des Allersberger Bildes:
Das Allersberger/Velburger Altarbild, vermutlich sehr früh und vor allen bekannten Altarbildern
und Kirchenfresken Cosmas Damian Asams entstanden, drückt in der zurückhaltend ausgeführten Glorie genau
diese seine wahrhaft christliche Scheu und Zurückhaltung aus!
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Der
Glorienschein Mariens und die dahinter liegende Himmelspartie auf dem Allersberger/Velburger
Altarbild.
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Dafür erkennt man auf dem Allersberger/Velburger Bild eine Teilung des himmlischen Aufleuchtens in zwei Foci:
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Das
himmlische Seitenlicht auf dem Hauptaltarblatt "Geschichte des heiligen Ägidius" in der
Pfarrkirche in Gmund, Gemälde von Georg Asam 1692.
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Die Idee/der Rat zu diesem himmlischen Seitenlicht kam vermutlich von Vater Georg Asam: Beim
Bild des Hochaltars der Pfarrkirche Gmund (am Tegernsee) hatte es dieser bereits 1692 so
gehandhabt (wenngleich mit vergleichsweise wesentlich stärker ausgearbeiteten Putten).
Beide, Vater und Sohn, dürften wiederum von den Licht- und Schattenspielen des italienischen
Meisters Benedetto Luti (1666-1724) in Rom begeistert und inspiriert gewesen sein! Zahlreiche
Gemälde mit Seitenlicht und doppeltem Fokus sind von Luti erhalten; hier folgt mit der "büßenden
Maria Magdalena" nur ein besonders schönes Beispiel, das in der oberen Partie an das
Allersberger/Velburger Altarbild erinnert:
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"Die
büßende Maria Magdalena", Gemälde von Benedetto Luti, um 1700.
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Der
goldene Schal Mariens im Chorfresko der Klosterkirche Michelfeld.
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Links
die Engelshand von Günching, rechts zum Vergleich die Pose des Allersberger Gemäldes.
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Links das Altarblatt von Allersberg, rechts das Altarblatt von Lengenfeld. Man beachte jeweils die
aufgehellten Rechtecke rechts unten.
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Gemälde
des Hauptaltares in der Spitalkirche Sulzbach, 1711, Mittelpartie.
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Die
Madonna von Breitenbrunn - Landschaftsszene bei Breitenbrunn, rechts die Burg Breitenegg
(Fantasiedarstellung).
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"Das apokalyptische Weib", Gemälde des Freisinger Hauptaltars von Peter Paul Rubens, aus dem Jahr
1625.
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Das
Schuhwerk der Himmelfahrts-Madonna von Allersberg.
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Das
Schuhwerk der Katharina von Alexandrien, auf dem Altarbild in der Simon-Höller-Kapelle in
Straubing.
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"Hochaltar von Herzog Theodor Eustach, Anfang 18. Jahrhundert entworfen. Über Säulenaufbau Sprenggiebel mit von zahlreichen Putten besetztem Strahlenkranz. Altarblatt Mariä Himmelfahrt, Spätwerk von 1710, von Georg Asam."
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Der
Hochaltar der Sulzbacher Stadtpfarrkirche.
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Das
Altarbild der heiligen Elisdabeth in der Spitalkirche Sulzbach, von 1711, ein "Pasticcio"
unterschiedlicher Malweisen.
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Dennoch scheint es weniger Cosmas Damian Asam, sondern eher sein Vater Georg Asam gewesen zu sein,
welcher den betörenden Duft des Sargtuches Mariens am Hochaltarbild von Sulzbach dadurch symbolisierte,
indem er den Apostel Petrus ganz gezielt daran riechen und/oder es küssen lässt.
Denn vermutlich war er es - und weniger sein Sohn -, der die entsprechende Idee von München nach
Sulzbach mitgebracht hatte. In München war nämlich im Jahr 1701 das bis dato einzige bekannte
Altarbild Bayerns entstanden, das diese Riech-/Kuss-Geste ebenfalls zeigt - und nunmehr sogar in sehr
eindeutiger, ins Auge springender Form. Der kurfürstliche Hofmaler Andreas Wolff (1652-1716) hatte
nach mehreren großen Mariä-Himmelfahrt-Altarbildern, welche noch nichts davon zeigten (Indersdorf 1691,
Göttweig 1694), das Motiv als neue Variante in ein Altarbild der Himmelfahrt Mariens eingefügt, das heute
in der sogenannten Lamberg-Kapelle am Passauer Dom den Hauptaltar ziert. Im vorliegenden Fall
riecht und küsst eine Frauenfigur, am ehesten Maria Magdalena.
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Die
Himmelfahrt Mariens, Altarbild in der Lambergkapelle in Passau, Gemälde von Andreas Wolff, von
1701.
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Links
das Altarblatt von Sulzbach, rechts das Altarblatt von Allersberg; die Sargtuch-Geste bei beiden
Darstellungen nahezu gleich: Nase und Mund eines Apostels direkt am Tuch!
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"Pervenientes igitur, apostoli
ad praedium Gethsemane, invenerunt ibi sepulchrum simile Christi sepulchro vivifico, ubi corpus cum
multa reverentia posuerunt, illud sublimissimum Dei vas tangere non audentes, sed hinc inde
apprehensa sindone deponentes. Quo munito dum apostoli et discipuli domini juxta mandatum domini
circa sepulchrum starent, tertio die nubes splendidissima sepulchrum circumdedlt, voces angelicae
resonant, ineffabilis odor sentitur, fit omnibus stupor immensus, dum dominum illuc
cernerent descendisse et corpus virginis cum gloria tam immensa transferre. Osculantes igitur
apostoli sepulchrum in domum evangelistae et theologi sancti Johannis reversi sunt, tantae
virginis custodem laudantes. Unus autem ex apostolis sollemniis defuit qui tanta mirabilia audiens
et admirans sepulchrum sibi aperiri instantius postulabat, ut horum omnium cognosceret veritatem.
Quod cum apostoli renuerent, sufficere sibi tantorum testimonia asserentes, ne forte, si hoc
infideles intelligerent, corpus furto sublatum esse praedicarent, ille contristatus dicebat: cur me
similem vobis communis nostri thesauri portione fraudatis? Tandem sepulchrum aperientes corpus
minime invenerunt, sed tantum vestimenta et sindonem repererunt."
"Als die Apostel nun zum Landgut von Gethsemane kamen, fanden sie dort ein Grab, das dem
lebenspendenden Grab Christi glich. Dort legten sie den Leichnam mit großer Ehrfurcht nieder, da sie
es nicht wagten, das erhabenste Gefäß Gottes zu berühren, sondern sie legten ihn nur nieder, indem
sie von beiden Seiten das Sindon (leinenes Leichentuch) ergriffen. Während die Apostel und die
Jünger des Herrn gemäß dem Gebot des Herrn um das Grab herumstanden, umgab am dritten Tag eine
überaus glänzende Wolke das Grab. Engelstimmen ertönten, ein unaussprechlicher Wohlgeruch wurde
wahrgenommen, und alle gerieten in gewaltiges Staunen, als sie sahen, dass der Herr dorthin
herabgestiegen war und den Körper der Jungfrau mit so großer Herrlichkeit hinwegführte. Die Apostel
küssten also das Grab und kehrten in das Haus des Evangelisten und Theologen, des heiligen
Johannes, zurück, indem sie den Hüter einer so großen Jungfrau priesen. Einer der Apostel jedoch
fehlte bei der feierlichen Bestattung [Thomas]. Als er von so großen Wundern hörte,
verlangte er voll Verwunderung, dass ihm das Grab geöffnet werde, damit er die Wahrheit all dieser
Dinge erkennen könne. Als die Apostel das ablehnten und anfügten, es müsse ihm das Zeugnis so vieler
genügen, damit nicht etwa die Ungläubigen, wenn sie das erführen, behaupten könnten, der Leichnam
sei heimlich fortgeschafft worden, da sagte jener traurig: 'Warum betrügt ihr mich um den Anteil am
gemeinsamen Schatz, der mir ebenso zusteht wie euch?' Schließlich öffneten sie das Grab, fanden
aber den Körper keineswegs, sondern nur die Gewänder und das Leichentuch."
Von daher das Motiv mit dem Sindon und das "Riechen" und "Küssen", nur dass Cosmas Damian den Apostel Petrus das duftende Leichentuch und nicht Grab selbst küssen ließ!
Warum aber beeindruckte diese Stelle der "Legenda aurea" gerade Cosmas Damian Asam?
Nun - dieser Bericht stammt nicht vom Schreiber der Goldenen Legende selbst, sondern von Asams Namensvetter, dem heiligen Cosmas!
Wobei hier als Gewährsmann nicht der griechische Arzt und Märtyrer Cosmas, Bruder des Damian, gemeint ist, sondern der Bischof und Hymnendichter "Cosmas von Jerusalem" (675-751), auch "Cosmas Hagiapolites", "Cosmas von Maiuma" oder "Cosmas Vestitor" genannt. Dies muss aber Cosmas Damian Asam gar nicht bewusst gewesen sein: er wird den Namen auf sich selbst und seinen eigenen Namenspatron bezogen haben.
In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, Cosmas von Jerusalem in der griechischen Originalquelle zu hören, wie sie z. B. von Antoine Wenger veröffentlicht wurde [Les homélies inédites de Cosmas Vestitor sur la Dormition, in: Revue des études byzantines 1953, S. 284-300] [Link]:
"Als die Apostel das Grab öffneten, fanden sie es leer; der allheilige Leib der Gottesmutter war nicht der Verwesung preisgegeben, sondern von den Engeln in den Himmel emporgetragen worden. Nur der Duft himmlischer Salbung und Blumen erfüllten den Ort, zum Zeugnis der göttlichen Gnade."
Oder noch etwas detaillierter in den Orationes 1 und 2:
"Der Leib, der den Schöpfer trug, konnte nicht im Staub der Erde bleiben; die Apostel suchten ihn und fanden nur das Leinentuch, das ihn umhüllt hatte, wie beim Herrn selbst. So ward die Theotokos leiblich in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen."
Das Motiv des Kusses, das Cosmas Damian Asam als Maler bewusst auf das Sindon übertrug, war in der mittelalterlichen Frömmigkeit weit verbreitet: Es drückte kindliche Hingabe, Sehnsucht nach der Gottesmutter und die Verehrung des Heiligen in ihr aus. Es unterstrich die Trauer der Apostel und machte den Kontrast zum leeren Grab umso eindrucksvoller: Maria ist nicht verwest, sondern emporgehoben worden!
Die "Legenda aurea" des Jacobus von Voragine folgte aber auch anderen antiken Autoren, die Cosmas Damian Asam ganz bewusst in seinen beiden Entwürfen nicht berücksichtigte. Wunderbare Düfte seien dem leeren Sarkophag Mariens entströmt, da er plötzlich wohlriechende Blumen und wohltuende Kräuter enthalten habe. Wegen dieses Pflanzenwunders werden noch heute in vielen bayerischen Kirchen am Himmelfahrtstag 15. August Kräuter-Blumen-Büschel angefertigt und geweiht.
Wir kennen aktuell keinen einzigen Barockmaler, der um 1710/11 in der Oberen Pfalz oder im Kurfürstentum Bayern das von Cosmas von Jerusalem und Andreas Wolff her bekannte "Küssen und Riechen" an Mariens Grabtuch ebenfalls malerisch umgesetzt hätte.
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Links
Ausschnitt aus Georg Asams Kuppelfresko der Kirche "Frauenbrünnl", gemalt 1707, rechts Darstellung
der "Fides" im Kloster Benediktbeuren, gemalt um 1683/87.
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Dazu wurde Georg Asam tatsächlich von italienischen Malern inspiriert. In der Kirche "Unser Lieben
Frau Frauenbründl" orientierte er sich an Stichvorlagen des Franzosen Nicolas Dorigny, die dieser
nach den Kuppelfresken Ciro Ferris in "Sant'Agnese in Agone" (Rom) gestochen hatte
[Langenstein, Diss. Georg Asam, 193]. Der doppelte Herzfriff der "Fides" stammte hingegen von Paolo
Veronese (1528-1688), der um 1550 in der venezianischen Kirche San Sebastiano die "Esther"
bei ihrer Krönung durch Ahasver in täuschend ähnlicher Pose mit beiden Händen zum Herzen greifen ließ.
Aber auch Carlo Maratti (1625-1713) dürfte bei Georg Asam vielfach eine Rolle gespielt haben. Als
z. B. Maratti zwischen 1685 und 1690 das Hauptaltarbild der römischen Kirche "San Carlo als Corso"
malte, ließ er die Muttergottes - zwischen ihrem Sohn Jesus Christus und dem heiligen Karl Borromäus als
demütig Flehenden - mit ihrer Rechten ebenfalls zum Herzen greifen.
Wir wissen heute nicht, ob Georg Asam in jungen Jahren persönlich in Italien war, wenngleich seine "Fides"
zumindest einen Besuch in Venedig in den Raum stellt. Zwar hatten Georg Asam nachweislich um 1689 zur
Erstellung der Fresken für Tegernsee zahlreiche Skizzen des in Venedig wirkenden Malers Johann Carl
Loth (1632-1698) vorgelegen, [Trottmann, Asam 21] aber 1. war "Loth" nicht gleich "Veronese",
und 2. war die "Fides" nach dem Vorbild von Veronese ja schon deutlich vor den Arbeiten in
Tegernsee entstanden.
Nichtdestotrotz war die Arbeit nach Stichen und sonstigen Druckvorlagen externer Künstler damals gang und gäbe. Georg Asam muss also nicht zu Studienzwecken in Italien gewesen sein!
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Links
Ausschnitt aus Paolo Veroneses "Krönung der Esther" von ca. 1550, rechts Carlo Marattis
Hochaltarbild in "San Carlo als Corso", von ca. 1685/90.
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Das Herzgriff-Motiv war demnach zu Zeiten der Asams weder unbekannt noch regional beschränkt, zumal ja speziell auch Peter Paul Rubens mit seiner Herzgriff-Madonna großen Einfluss in ganz Europa ausgeübt hatte.
Auf Cosmas Damian Asam kam jedoch, wenn er das Allersberger/Velburger Altarbild einer himmelfahrenden Muttergottes malte, wovon wir ausgehen, das Herzgriff-Motiv weniger durch Peter Paul Rubens oder Carlo Maratti zu, sondern vielmehr durch ein Altargemälde seines Vaters, der ihm auch in diesem Punkt ein Vorbild war. [Langenstein, Georg Asam, 1986, 36] Denn Georg Asam hatte, als er im Winter 1687/88 im Kloster Tegernsee für die Kirche St. Laurentius in Rottach-Egern (Ortsteil Egern) das Altarbild des "Laurentius als Fürbitter der Armen Seelen" malte, den Herzgriff Mariens bereits verwendet, indem er Mutter Maria sich liebevoll an ihren auferstandenen Sohn Jesus Christus anlehnen und dabei mit ihrer Linken schmerzvoll zur Brust greifen ließ:
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Georg
Asam 1687/88: Obere Bildpartie des Hochaltarbildes in "St. Laurentius" in Egern, Filialkirche des
Klosters Tegernsee.
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Es war jedoch Cosmas Damian Asam vorbehalten, 23 Jahre nach seinem Vater in diese seine erste
Darstellung des Herzgriffs bei einer himmelfahrenden Muttergottes auch noch Herzblut zu legen:
Denn er malte gerade seine Madonna mit einer blutig tingierten Hand auf blutig tingierter
Tunika! Die bloße Schattierung haben wir in diesem Zusammmenhang alsbald beiseite gelegt, da der
Fleck unter der Hand in der Weinrot-Ausführung gar nicht dem Schattenwurf der Hand folgt, und selbst die
Fingerendglieder blutig tingiert wirken!
Mit dieser genialen Idee hat er diese wichtige Herz-Geste nochmals erheblich dramatisch gesteigert!
Dies deutet wiederum auf ein besonders schmerzhaftes Ereignis im Leben Auftraggebers oder des
Künstlers hin, das wir - gesetzt, der letztere Fall ist richtig - bei Cosmas Damian Asam im
plötzlichen Verlust des geliebten Vaters sehen. So ist es gut möglich, dass dieser Effekt von ihm erst im
März 1711 im Altarbild nachgetragen wurde!
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Das
blutende Herz Mariens, ein Motiv der "schmerzhaften Mutter Gottes", herrührend aus der Weissagung
des greisen Simeon: "Deine Seele wird ein Schwert durchdringen" (Lukas 2,55).
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Mariä
Himmelfahrt als Deckenfresko in der Basilika Weingarten.
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Mariens
Himmelfahrt als Kuppelfresko in der Klosterkirche von Kladruby.
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Mariä
Himmelfahrt als Chorfresko in der Klosterkirche Gotteszell im Bayerischen Wald.
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Zwei
Bozzettos unbekannter Provenienz und Zeitstellung, welche Cosmas Damian Asam zugeschrieben werden.
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Von
links nach rechts: Krönung Mariens (undatiert), Maria Immaculata (um 1726), Krönung Marias (um
1726), Druckgraphik nach einem Entwurf von CD Asam (undatiert), Maria Magdalena (undatiert).
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Katharina
von Alexandrien, auf dem Altarbild in der Simon-Höller-Kapelle in Straubing.
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Das
Kuppelfresko in der Klosterkirche Ensdorf. Zu vergrößerten Darstellung der Abbildung bitte auf
das Bild klicken!
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Das
Blatt des rechten Seitenaltars in der Ursulinenkirche in Straubing.
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Die
Asam'sche Herzgriff-Madonna im Kloster Weltenburg.
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Wir wissen nicht genau, ob der 54-jährige Asam in diesen Jahr das Kloster Weltenburg wirklich noch
erreicht hat. Wenn ja, dann könnte neben den Straubinger Altarblättern die dortige Herzgriff-Madonna -
zu Beginn der neuen Malsaison aufgetragen - tatsächlich eine seiner letzten Arbeiten gewesen sein,
vielleicht sogar sein allerletztes Werk, innerhalb des großen Freskos. Die Madonna ist ziemlich grob und
relativ Asam-untypisch ausgeführt, ein Halo fehlt völlig, der Sternenkranz ist blaß und kontrastarm -
alles gerade so, als ob es dem Freskanten zum Zeitpunkt des Malens schon nicht mehr körperlich und
seelisch gut gegangen wäre!
Cosmas Damian Asam ließ sich schließlich schwerkrank nach Hause bringen, verfasste am 8. Mai 1739 in
München sein Testament, entwarf am darauffolgenden Tag noch einige Blumen und verstarb dann am 10. Mai
1739 "ex rupto apothemate", d. h. "nach Aufbruch eines Abszesses".
Oder Cosmas Damian Asam hatte diese seine Madonna gar nicht mehr erlebt!
Teile der genannten Fresken wurden nämlich im folgenden Jahr 1740 von seinem Sohn Franz Erasmus Asam
(1720-1795) vollendet, einem durchaus begabten, aber alkoholkranken Epigonen, der nie zuvor Fresken,
sondern immer nur Ölgemälde gemalt hatte. Vielleicht war dies eine Tat später Reue dem Vater gegenüber,
denn Cosmas Damian Asam hatte wegen des schlechten Lebenswandels seines missratenen Sohnes voller Gram
resigniert und am Ende alle Kontakte zu ihm abgebrochen! Franz Erasmus Asam war trotz seiner Trinksucht
nicht ohne Talent als Maler und er führte noch lange Zeit einen ruhigen Pinsel; seine Entwürfe sprechen
die Formensprache seines Vaters und Großvaters, einige Werke können als durchaus gelungen bezeichnet
werden. Gesundheitlich ging es ihm allerdings im Lauf der Jahre immer schlechter. Nach weiteren
Aufträgen in Weltenburg (1751 Deckengemälde im Eingangsbereich der Kirche) und ab 1754 auch in der
Zisterze Schöntal im Tal der Jagst kam Franz Erasmus immer weiter herunter. In Schöntal gab man ihm
schließlich das Gnadenbrot: Obwohl in München verheiratet, starb er dort im Jahr 1795, im Alter von 75
Jahren. Zuletzt hatte er sich völlig mittellos und seit 12 Jahren durch alkoholische Polyneuro- und
Encephalopathie gelähmt und eingetrübt im Infirmarium des Klosters Schöntal befunden, wo er dann auch
bestattet wurde. Der Münchner Familienbesitz, der an ihn als Erben gelangt war, war schon lange zuvor,
1760, zwangsversteigert worden!
Damit endet unsere Auflistung der ikonografischen Indizien, die bereits sehr eindringlich die Urheberschaft Cosmas Damian Asams für das Altarbild "Mariä Himmelfahrt" aus Allersberg/Velburg untermauern.
Folgender Altaraufsatz der Himmelfahrt Mariens und der Heiligen Dreifaltigkeit stammt aus der Hand des in Prag geborenen Barockmalers Johann Nepomuk Schöpf (1733-1798), der lange Zeit am Hof in München wirkte. Als frisch gebackener "kurfürstlicher Hofmaler" schuf er um 1765 diesen kunstreichen Trag- und Hängealtar für das Kloster Fürstenfeld. Dieser befindet sich heute im Bayerischen Nationalmuseum, im Saal 42.
Schöpf hatte sich bei der Ausführung des Altarbildes im Wesentlichen an den Asam'schen Vorlagen orientiert!
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"Altare
portabile" von Johann Nepomuk Schöpf, Bayerisches Nationalmuseum, Inventarnummer 14/163.
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Aspekt
des 1807 zerstörten Schlosses Helfenberg um 1703, Ausschnitt des Altarbildes in der Pfarrkirche
"St. Martin" in Lengen-
feld. |
1702: Die Familie Asam in Diensten des Reichsgrafen Ferdinand Lorenz Franz Xaver von Tilly: Umzug der Familie Asam nach Velburg. Georg Asam malt im Folgenden zahlreiche Wand- und Deckengemälde im neuen Tilly-Schloss Helfenberg (Zyklen der biblischen Geschichte, der Weltgeschichte und der griechischen Mythologie).
1702: Fassarbeiten für die Kirche in Kleinalfalterbach.
1703: Georg Asam malt das Hauptaltargemälde für die Pfarrkirche St. Martin in Lengenfeld. Gattin Maria Theresia Asam und Tochter Maria Salome erledigen Fassarbeiten in den Kirchen von St. Kolomann und Deusmauer (Altarblatt li. Seitenaltar).
1703/05: Ausmalung von Schloss Schönach in Straubing, durch Georg Asam: 48 Einzelbilder!1704: Georg Asam malt 24 Deckenfresken in St. Jakob in Cham.
1705: Georg Asam malt Fresken in der "Sala terrena" des Schlosses Alteglofsheim.
um 1706: Georg Asam malt nach der Niederlage der Kurbayern in der 2. Schlacht von Höchstädt am 13.
August 1704, am ehesten um 1706, ein Decken- und ein Wandfresko mit Motiven der triumphierenden
Kriegsgöttin Belluna, im Hammerschloss Schmidmühlen (Neubau von 1700). Der dortige Stuckrahmen stammt von
Giovanni Antonio Viscardi (1645-1713).
Da dies wenig bekannt ist, folgen einige Zusatzangaben und zwei Bilder:
Auftraggeber ist der Schlossherr Johann Hector II. von Vischbach auf Schmidmühlen, Vilswehr, Pilsheim,
Oberschonrieth und Burbach, pfalz-neuburgischer Landstand (1664-1718), künftiger Schwiegervater des
Philipp Anton Konstantin II. Freiherr von Gise zu Lutzmannstein. Die Familie von Vischbach betreibt u. a.
zwischen 1772 und 1868 die große Papiermühle von Schmidmühlen. Da Johann Hectors von Vischbach Frau aus
dem Geschlecht der Erlbeck zu Sinning (Zweig Etterzhausen) stammt, wo auch das Stammschloss derer von Gise
steht, dürften sich die Familien von Gise auf Lutzmannstein und von Vischbach schon lange, sicherlich
schon aus der Zeit vor 1700, gekannt haben!
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Das
Belluna-Fresko aus der Hand von Georg Asam, im Hammerschloss Schmidmühlen.
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1707: Georg Asam malt das Deckenfresko der Wallfahrtskirche "Frauenbrünnl" bei Straubing und erledigt Renovierungsarbeiten in der Wallfahrtskirche "Maria Hilf" in Amberg.
Sommer 1707: Die familie Asam kehrt für einige Monate nach Velburg zurück und erledigt Fassarbeiten für St. Kolomann, Deusmauer und Lengenfeld. In dieser Zeit: Auftrag des Kastners Michael Hayer, für einen Stiftungsaltar in der Pfarrkirche von Velburg.
1708: Georg Asam malt Fresken in St. Sebastian in Breitenbrunn, danach die 10 Haupt- und 33 Nebenbilder in der Basilika "Maria Hilf" in Freystadt, dort erstmalig unterstützt durch die beiden Söhne.
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Ausschnitt
aus der Kuppel der Basilika "Mariahilf" in Freystadt, wo Cosmas Damian Asam erstmalig
selbstständig mit dem Freskieren beschäftigt war.
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1708/10: Die Familie Asam wohnt 2 Jahre in Breitenbrunn.
1709: Georg Asam malt im zeitigen Frühjahr das Hochaltarbild für St. Egidius in Harenzhofen. Inzwischen besorgen Maria Theresia Asam und ihre Tochter Maria Salome die neue Fassung der Harenzhofener Altäre. Die Seitenaltarblätter für Harenzhofen - "St. Martin" und "Die Heilige Familie" - muss Georg Asam seiner Frau und seinem Sohn Egid Quirin überlassen, denn er hat inzwischen einen lukrativen Auftrag am Dom in Freising erhalten, die Ausmalung der Aula des Gymnasiums.Anfangs hilft sein Sohn Cosmas Damian, dann kehrt dieser nach Breitenbrunn zurück.
Herbst 1709/Frühling 1710: Cosmas Damian Asam malt das Altarblatt "Mariä Himmelfahrt" für die Kirche in Velburg.
Winter 1709/10: Maria Theresia Asam malt die Auszugsbilder "Erzengel Michael" und "St.
Martin" für 2 Velburger Altäre, den Mariä-Himmelfahrts-Altar und den Gegenaltar "Maria mit den
Eltern Anna und Joachim", der inzwischen auch in Auftrag gegeben ist. Das große Altarbild für
letzteren Altar wurde nicht von Cosmas Damian, sondern von Maria Theresia und Egid Quirin Asam gemalt,
wahrscheinlich erst nach dem Tod Georg Asams im Frühjahr 1711.
Frühsommer 1710: Maria Theresia und Egid Quirin Asam vollenden die Seitenaltarblätter für
Harenzhofen, während Georg Asam erneut in Freising malt, nunmehr Fresken in der Maximilianskapelle.
Vermutlich danach auch noch Ausmalung des Dekanatsaals im Kloster Weihenstephan.
Zeitgleich erhält Georg Asam von Herzog Theodor Eustach von Pfalz-Sulzbach (1659-1732) den nächsten
Auftrag, das Bild des Hauptaltars "Mariä Himmelfahrt" in der Stadtpfarrkirche von Sulzbach zu
malen, im Weiteren auch das Hochaltarbild der "heiligen Elisabeth" in der dortigen Spitalkirche
und weitere Altarblätter.
Georg Asam zieht daraufhin im Sommer 1710 mit seiner ganzen Familie nach Sulzbach um.
11. August 1710: Der Tilly'sche Pfleger Johann Velhorn bestellt beim Georg Asam in Sulzbach auch
noch ein Altarblatt des heiligen Erasmus, für die Kirche in Deusmauer.
Winter 1710/11: Der Winter in Sulzbach ist hart und währt ungewöhnlich lang.
7. März 1711: Georg Asam stirbt am 4. oder 5. März in Sulzbach und wird am 7. März dort bestattet. Die Hinterbliebenen gehen anschließend nach München zurück.
Sommer 1711: Cosmas Damian und Egid Quirin Asam bauen in München für die gesamte Familie die notwendige Subsistenzwirtschaft auf (Bestellen eines Rüben- und Krautackers vor den Toren der Stadt - die Kartoffel ist als Feldfrucht noch nicht verfügbar -, Anlage und Bewirtschaftung eines Pflanz- und Würzgartens, ggf. Anschaffung einer Kuh, von Ziegen und Schafen) und müssen dazu ihre künstlerische Tätigkeit vorübergehend unterbrechen.
1712/13: Studienaufenthalt Cosmas Damian Asams in Rom.
23. Mai 1713: Cosmas Damian Asam nimmt am "Concorso Clementino" der römischen "Accademia di San Luca" teil und gewinnt mit einem Entwurf am 23. Mai 1713 den ersten Preis der ersten Malereiklasse.
1713/14: Cosmas Damian Asam erledigt kleinere Auftragsarbeiten, kehrt in die Obere Pfalz zurück und malt erstmalig ein Deckenfresko, in der Klosterkirche von Ensdorf. Sein Bruder Egid Quirin Asam stellt dazu den Deckenstuck her.
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Ausschnitt
des Altarbildes "Mariä Verkündigung" in Günching, von Cosmas Damian Asam.
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1716: Cosmas Damian Asam malt das Hochaltarbild in Günching, nunmehr bereits im Akademiestil. Günching ist nur 7 Kilometer von Velburg entfernt, es zählen also bei diesem Auftrag die alten Beziehungen in den Velburger Raum. Drei Fresken für Günching aus seiner Hand sind verloren.
1716/17: Cosmas Damian Asam malt die Deckenfresken im Kloster Michelfeld.
8. Februar 1717: Cosmas Damian Asam heiratet in München die Anna Maria Mörl.
1717/18: Cosmas Damian Asam malt die Deckenfresken der Kirche "Maria Hilf" bei Amberg.
1718: Cosmas Damian Asam malt ein kleines Deckenfresko "St. Magdalena" im Kloster Walderbach.
1719: Tod der Fassmalerin und Mutter der Asam-Söhne, Maria Theresia Asam, in München.
1729/1731: Cosmas Damian und Egid Quirin Asam gestalten die Deckenfresken in Schloss Alteglofsheim.
1731/33: Cosmas Damian und Egid Quirin Asam gestalten die komplette Barockisierung der Klosterkirche St. Emmeram in Regensburg.
1737: Cosmas Damian Asam malt die Kuppelfresken im Bibliothekssaal des Klosters St. Emmeram in Regensburg.
10. Mai 1739: Tod des Cosmas Damian Asam.
29. April 1750: Tod des Egid Quirin Asam.
Ex ante: Von großen Wert für die folgende Recherche ist ein Büchlein von 1818 gewesen: Ignaz Brunner (einst Stadtkaplan in Velburg): Kurzgefasste Beschreibung des Schlosses und der Stadt Velburg, Eichstätt 1818. Wer hier im Original mitlesen will, kann dies stante pede durch Klick auf folgenden Link tun: [Brunner 1818]
Wir beginnen unsere Auswertung historischer Quellen mit einer alten Fotografie des Allersberger Altares "Mariä Himmelfahrt" in seiner letzten Velburger Disposition. Die Aufnahme entstand noch vor dem 2. Weltkrieg, eine genaue Datierung der Aufnahme liegt uns nicht vor.
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Auszug
aus Ignaz Brunner; Kurzgefasste Beschreibung des Schlosses und der Stadt Velburg, Eichstätt 1818, S.
15.
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Da bei dieser Aufnahme der portable Altar an die südliche Außenwand der Velburger Pfarrkirche, den Erweiterungsbau von 1720/22, anschließt - diese Lage ist gut erkennbar am ausladenden Akanthus-Schmuck des linken Bildrands, der vom Schaller'schen Joseph-Altar an der epistelseitigen Chorwand stammt -, ist auch sicher, dass er, ehe er 1959 an die Kirchenstiftung in Allersberg verkauft und 1960 dorthin transferiert und anschließend restauriert wurde, schon seit 86 Jahren dort stand.
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Grundriss
der Velburger Pfarrkirche, Fig. 186 in: Kunstdenkmäler von Bayern, BA Parsberg, 1906, 219. Der
jeweilige Standort des Mariä-Himmelfahrt-Altars ist in roter Farbe eingezeichnet, von ca. 1724 bis
1874 am mittleren epistelseitigen Pfeiler, von 1875 bis 1960 an der südlichen Schiffswand. Der "Anna-Joachim-Altar"
in grüner Farbe stand einst am evangelienseitigen Mittelpfeiler.
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Vor 1874, als er dorthin versetzt wurde, hatte er 150 Jahre einen Platz am mittleren epistelseitigen Pfeiler eingenommen (seit Erweiterung der Kirche). [Brunner 15, Buchner, Eichstätt 2, 693]
Wo er vor dem Bau des rechten Seitenschiffes (1721/22) für wenige Jahre stand, ist unklar; vermutlich handelte es sich jedoch um dieselbe Stelle, da ihm ja dort die Hayer'schen, später auch andere Grablegen zugeordnet waren. Einen Seitenschiff-Eingang, wie nach 1723, gab es damals noch nicht.
Gleichzeitig mit dem epistelseitigen Nebenaltar von Allersberg wurde 1959 für die Evangelienseite in Allersberg ein gleich gefasster Altar (mit einem Gemälde zuletzt der Anna Selbdritt, ursprünglich der Eltern Marias, Anna und Joachim) ebenfalls in Velburg erworben. Dieser zweite Altar derselben Fassung hatte spätestens seit 1724 auf gleicher Höhe zum Himmelfahrt-Altar am nördlichen mittleren Pfeiler der Stadtpfarrkirche Velburg (unterhalb der Kanzel) gestanden.
Nur wenige Angaben liegen uns aktuell zum Stifter des Velburger Himmelfahrt-Altars vor, und dennoch steht fest: Es war der höhere pfalz-neuburgische Beamte Michael Hayer!
Seine Familie ist schon vor dem 30-jährigen Krieg in Velburg nachweisbar, als ganz Velburg nach der Konversion des Landesherrn, Pfalzgraf Ottheinrich (1502-1559) noch protestantischen Glaubens war: Für das Jahr 1599 ist ein "Diaconus Johannes Hayer Velburgensis" urkundlich erfasst [Brunner 155].
15 Jahre später, 1614, kehrte das Fürstentum Pfalz-Neuburg unter Ottheinrichs Urenkel, Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm (1578-1653), wieder zum Katholizismus zurück. Die Pfarrei Velburg folgte mit einem neuen, katholischen Pfarrer im Jahr 1618, [Brunner 138] nach weiteren 3 Jahren konvertierte die Pfarrei Velburg auch per Rechtsakt. [Buchner Eichstätt 691]
Im Jahr 1644, 4 Jahre vor Ende des 30-jährigen Krieges, ist ein "Georg Hayer" als Velburger Gerichtsschreiber dokumentiert, zwischen 1674 und 1685 war ein "Johann Hayer" als Kastenamts-Verwalter von Velburg aktiv, und im Jahr 1715 ist ein "Christoph Hayer" als Velburger Schullehrer und Chor-Rektor vermerkt. [Brunner 152, 153, 163]
Michael Hayer war vermutlich ein Bruder des Kastners Johann Hayer. Er begann seine Karriere in kurbaierischen Diensten, denn er ist 1660 als Rats- und Stadtschreiber in Neumarkt dokumentiert. [vgl. J. N. von Löwenthal, Schultheißenamt Neumarkt, München 1805, 237]
Danach muss er ein Studium beider Rechte, vermutlich in Ingolstadt, absolviert haben, denn er wird später als "licentiatus juris utriusque", d. h. als Lizentiat beider Rechte bezeichnet. Dieses Lizentiat war damals ein Abschluss zwischen dem Baccalaureat und dem Doktorat; er entspricht in etwa dem heutigen Studienabschluss als "Master".
Diese juristische Ausbildung prädestinierte zu einer höheren Beamtenlaufbahn, und diese trat der Lizentiat Hayer in seiner Heimat, zuerst in Waldsassischen, später auch in pfalz-neuburgischen Diensten, auch an.
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Der
Velburger Kasten und sein Zehentstadel stehen noch heute. Aspekt von Google Streetview im Februar
2026.
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Er ist in Brunners Liste der pfalz-neuburgischen Kastner nicht aufgeführt, da er in den Kriegsjahren 1710/11 als Waldsassischer Kastner in Velburg wirkte, wohl in der Verwaltung des ehemaligen Besitzes der Templer-Kommende Oberweiling, das nach Aufhebung des Templerordens durch Kaiser Ludwig den Bayer an das Kloster Waldsassen gefallen war. [BayHStA München, Pfalz-Neuburg Hofrat 95].
Doch zunächst der zeitlichen Reihenfolge nach:
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Auf-
und Abmarsch der verfeindeten Truppen in den ersten Tagen des Spanischen Erbfolgekriegs, in der
Bayerischen Diversion. Zu Vergrößerung bitte auf das Bild klicken!
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Es waren also ausgesprochen unruhige und unsichere Zeiten, die damals die Einwohner von Velburg durchlebten, und es mag sein, dass dies in den gefährlichen Tagen vor dem 27. März und nach dem 29. März auch den Velburger Bürger Michael Hayer betraf. Dennoch - oder vielleicht gerade deswegen - muss Michael Hayer in dieser Zeit bereits reich geworden sein, wobei wir allerdings bis dato nicht genau wissen, wo er vor 1707 beruflich tätig war. Jedenfalls konnte er drei Jahre später, als die örtliche Kriegsgefahr allmählich gebannt schien, einen dreifachen Kauf-Coup landen:
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Das
Schloss Oberlauterhofen um 1738.
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Am 10. November 1706 erwarb der Lizentiat Michael Hayer käuflich das nahe Schloss Oberlauterhofen. [Johann Baptist Prechtl, Geschichtliche Nachrichten über Markt und Schloss Lauterhofen, 1843]
Zeitgleich wurde Michael Hayer zu Veldorf [so!] zum Eichstättischen und Domkapitel-Regensburgischen Gefällverwalter der Hofmark Raitenbuch (bei Berching) ernannt. [StA AM, Kloster Kastl Urkunden 816] Im Landtag von 1707 ist er folglich als deren Besitzer eingetragen, unter dem Fehlnamen "Michael Haym" (statt Hayer).
Als nach 1707 der Holnstein’sche Pfleger, Kastner und "Preuverwalter" Franz Kaspar Seeger († 18. September 1745), damals Landsass der Hofmark Pollanten, die Hofmark Staufersbuch verkaufte, kam diese ebenfalls an den geistlichen Gefällverwalter Hayer zu Velburg, danach an dessen Tochter, die mit dem Gefällverwalter Anton Michl Mayer verheiratet war, und nach dessen Tod an die minderjährige Tochter der beiden, nunmehr allerdings ohne Patrimonialgerichtsbarkeit. [vgl. Löwenthal, Schultheißenamt Neumarkt, 1805, 63]
Drei Jahre später ist Hayer dann als Waldsassischer Kastner zu Velburg tätig, wobei der Gesamtzeitraum dieser Tätigkeit aktuell nicht feststeht.
Keine Nachricht von Michael Hayer haben wir im Jahr 1713, als Velburg von einer Pestepidemie heimgesucht wurde und viele Todesopfer zu beklagen hatte.
In den Jahren 1713 und 1715 ist er dann als "kurfürstlicher Pflegs-Kommissär" des Marktes Laaber (an der Schwarzen Laber) urkundlich nachweisbar.
Soweit der steile Aufstieg des Beamten Michael Hayer, der zuletzt unter günstigen Umfeld - Pfalz-Neuburg hatte im Spanischen Erbfolgekrieg auf der siegreichen Seite gestanden - sogar in den Beamten-Adel das Fürstentums Pfalz-Neuburg aufgenommen wurde, allerdings ohne offiziell nobilitiert zu werden.
Im Jahr 1719 war dieser Lebenskreis zu Ende: Michael Hayer wurde nach seinem Tod in Velburg vor jenem Altar der Himmelfahrt Mariens bestattet, den er zuvor für sich und seine Familie gestiftet hatte:
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Michael
Hayer ist bei Brunner unter der laufenden Nummer 10 unter den Grablegen in der Pfarrkirche von Velburg
gelistet (auf S. 19).
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Mit dieser Nachricht ist nicht nur sicher, dass im Jahr 1719 der Mariä-Himmelfahrt-Altar mit dem Cosmas Damian Asam zugeschriebenen Altarbild bereits stand, sondern auch, dass ihn Michael Hayer zuvor gestiftet hatte, wie sein Herzwappen am Altarauszug zeigt. Bei dieser Stiftung ging es weniger um eine Verschönerung der Velburger Pfarrkirche, sondern um Sicherung einen privilegierten Grabstelle innerhalb der Kirche, für sich selbst und etwaige Nachfahren.
Damit ist die Vermutung von F. X. Buchner von 1938 widerlegt, dass dieser Mariä-Himmelfahrt-Altar (inklusive Altargemälde) erst um 1724 gestiftet wurde, weil erst dann durch den Bau des rechten Seitenschiffs 1720/22 in der Velburger Pfarrkirche genügend Platz für weitere Altarstiftungen zur Verfügung stand. [Buchner, Eichstätt 2, 693] Buchner mag vielleicht bezüglich der weiteren Nebenaltäre in Velburg recht gehabt haben, beim Himmelfahrt-Altar gilt jedoch nach Brunner als "terminus ante quem" eindeutig das Jahr 1719! Dies hat selbst unter der Einschränkung Bestand, dass sich im Sterbebuch von Velburg kein Eintrag für den Tod Michael Hayers findet. Denn in den Jahren 1712 und 1722 sind alle dortigen Einträge verloren gegangen, sodass nicht nur Hayers Tod, sondern auch das Ausmaß der Pestepidemie von 1713 nicht dokumentiert ist. Später wird man sehen, dass der "terminus ante quem" 11. August 1710 der noch genauere ist!
In der Tat gab es nach Michael Hayer in Velburg einige Angehörige der Familie Hayer, die sich ebenfalls an diesem Altar bestatten ließen:
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Der
Eintrag im Totenbuch von Velburg, für Joseph Alois Hayer.
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Der Seitenaltar an der evangelienseitigen Chorwand, der noch heute besteht, zeigt eine weitere Skulptur Mariens, in diesem Fall die gekrönte Himmelskönig mit dem Jesuskind auf dem Arm, sowie seitliche Statuen des heiligen Dominikus und der heiligen Katharina von Siena. Dieser Altar, ebenfalls aus der Hand von Johann Michael Schaller, entstand erst 1744; er wird auch "Bruderschaftsaltar" genannt.
Wir wollen es an dieser Stelle unterlassen, bei all diesen Personen das gegenseitige Verwandtschaftsverhältnis weiter zu klären, denn dies ist für unsere Fragestellung unerheblich.
Das Konzept der privilegierten Grablege durch Michael Hayers Altarstiftung scheint jedoch aufgegangen zu sein, wobei sich zu Füßen der Himmelfahrt-Madonna alsbald 5 weitere, unverwandte bzw. befreundete Personen ebenfalls an diesem Altar bestatten ließen (darunter 3 Mitglieder der adeligen Pflegerfamilie von Windisch).
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Auszug
aus Ignaz Brunner 1818, S. 15.
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Dass sich diese Stiftung trotz des anrührenden Bildmotivs keiner großen Beliebtheit beim einfachen Pfarrvolk erfreute, ist jedoch plausibel, allein wegen des unbeliebten Berufs und Standes des Stifters Michael Hayer: Ein "Kastner" der damaligen Zeit war manchmal ein brutaler Eintreiber von Geld und Naturalien; er entsprach in etwa dem "Zöllner" des Neuen Testaments. Dies mag z. T. eine Rolle gespielt haben, wenn sich hinterher viele Gemeindemitglieder über eine Überhäufung der Velburger Kirche mit Marien-Bildern beschwerten, was wiederum später diese Altäre in Vernachlässigung geraten ließ, bis sie schließlich abverkauft oder entfernt wurden.
In den Unterlagen zum Markt Lauterhofen findet sich auch ein Sohn des Michael Hayer namens Wolfgang Hayer, der wie sein Vater vor ihm kurfürstlicher Pflegs-Kommissär zu Laaber wurde. Das Schloss Lauerhofen mit seinen Liegenschaften wirtschaftete dieser Epigone soweit herunter, dass es bald "auf Gant ging", d. h. erst verpfändet und schließlich 1739 verkauft wurde. Dabei habe sich laut dem Chronisten von Lauterhofen dieser Wolfgang Hayer erheblich übers Ohr hauen lassen: "Der dürftige Schlossbesitzer Wolfgang Hayer ließ sich aber mit einer Ablösungssumme von 700 Gulden abfinden, während er, wenn er klüger gewesen wäre, leicht 3000 Gulden erhalten hätte, damit man nur dieses lästigen Servitutes los geworden wäre." [vgl. Johann Baptist Prechtl: Schloss, Markt und Kretinenanstalt Lauterhofen in der Oberpfalz, 1888, 8]
Obwohl in der Lebensgeschichte des Michael Hayer lediglich die Eckdaten feststehen, lassen sich diese mit der Biografie der Künstlerfamilie Asam so verschränken, dass ein schlüssiges Bild entsteht:
Schon damals dürften Georg und Maria Theresia Asam den Beamten Michael Hayer kennengelernt haben.
Doch dann kam erst einmal der Krieg und brachte große Trübsal in die Region Velburg (vgl. oben). Um den direkten Kriegshandlungen auszuweichen, zogen die Asams noch 1703 in die Nähe von Schloss Schönach bei Straubing, um dieses auszumalen, und sie wirkten zwischendurch auch in Cham und Amberg.
Erst als sich der Pulverdampf endgültig verzogen hatte, kehrte die Familie Asam im Sommer 1707 nochmals für wenige Monate nach Velburg zurück, um dort ihre vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen und weitere Auftragsarbeiten des Tilly'schen Pflegamts Helfenberg zu erledigen.
So wird Michael Hayer, der 1707 auch noch doppelter Hofmarksherr geworden war, bei Georg Asam einen kompletten "Mariä-Himmelfahrt-Altar" als Stiftungsobjekt bestellt haben, mit Hauptgemälde, Auszugsbild und Altarfassung!
Dass sich über eine solche private Altar-Stiftung kein sog. "Spaltzettel" (schriftlicher Vertrag) und auch kein Beleg in den Kirchenrechnungen erhalten hat, ist nach den Ermittlungen Eva Wagner-Langensteins, veröffentlicht in ihrer Dissertation "Georg Asam 1649-1711" von 1983, mehr als verständlich: "Da es sich bei dem Blatt mutmaßlich um eine Stiftung der Familie N. N. handelt, sind dafür keine Belege in den Kirchenredfhnungen ausgewiesen", schreibt sie gleich doppelt über 2 Stiftungsaltäre der Amberger Wallfahrtskirche "Maria Hilf". Nicht anders war es damals in Velburg!
Vermutlich schützte damals Maria Theresia Asam dem Pflegamt Helfenberg gegenüber eine Krankheit ihres Mannes vor, um sein Verschwinden zu entschuldigen:
Vorzeitig zurück in Velburg, ging sein Ältester Sohn Cosmas Damian Asam sofort an die Arbeit und malte für den Kastner Michael Hayer auftragsgemäß das Altarblatt "Mariä Himmelfahrt" für den neuen Stiftungsaltar, den inzwischen ein Velburger (?) Schreiner bereits vorbereitet hatte.
Georg Asam selbst hatte dafür keine Zeit, denn er war noch immer in Freising beschäftigt und übernahm danach sofort die Planung für 2 weitere Großprojekte, Fresken in der Freisinger Maximilianskapelle und danach die Ausmalung des Dekanatssaals im Kloster Weihenstephan.
Was wollte Michael Hayer mehr?
Denn im Sommer 1710 wurde der kunstsinnige Pfleger Johann Velhorn auf den im Vorjahr aufgestellten Altar in Velburg wegen der Qualität seines Altarblattes aufmerksam, und er bestellte sofort einen gleichartigen für die Kirche in Deusmauer. In seinem Schreiben an Georg Asam in Sulzbach, vom 11. August 1710, [StAA, Pflegamt Helfenberg Nr. 6] liest man:
Selbstredend war hier nicht von Altarblatt eines Fremdmalers in Velburg die Rede, denn die Asams hätten sich nie auf ein derartiges Plagiat eingelassen.
Nein - Dies ist nun der lange vermisste Schriftbeleg, dass der neue Mariä-Himmelfahrt-Altar in Velburg in der Tat ein echter "Asam" war - und sein Altarbild vor dem 11. August 1710 angefertigt und an Ort und Stelle gebracht worden war!
Der 24-jährige Cosmas Damian Asam ist der Schöpfer des Velburger Altarblatts, das sich heute in der Kirche von Allersberg befindet; er hat es im Auftrag seines Vaters 1709 in Breitenbrunn begonnen, im Frühjahr 1710 dort vollendet und anschließend in das nur 16 km entfernte Velburg zum Aufziehen auf einen Rahmen bringen lassen, wo es dann vom Tilly'schen Pfleger Velhorn "entdeckt" wurde!
Zu Abschluss beschäftigen wir uns mit der Beantwortung zweier Fragen, die noch offen sind:
Frage 1: Was hatte Michael Hayer veranlasst, gerade einen Mariä-Himmelfahrt-Altar zu bestellen?
Antwort:
Es folgt zunächst eine Abbildung des heutigen Altarbildes von Trautmannshofen:
Vor diesem Hintergrund mache man sich bewusst: In der Zeit, als der Velburger Kastner Michael Hayer das Schloss Oberlauterhofen erworben und dorthin seinen Lebenschwerpunkt verlagert hatte, gehörte die prächtige Barockkirche von Traumannshofen zu seiner Pfarrei und lag von seinem Besitz nur 3,5 km entfernt, war also problemlos fußläufig zu erreichen.
Was liegt näher, als dass er sich bei der Bestellung des Velburger Altarbildes 1707 vom dortigen Bildmotiv des Hauptaltars leiten ließ?
Es war ein Münchner Maler, der dieses gemalt hatte, und es konnte durchaus Andreas Wolff, aber letztlich sogar ein Georg Asam gewesen sein, während andere Münchner Maler (Sing, Loth, von Sandrart, Prugger) weitgehend ausscheiden! Beide bevorzugten Bodengruppen bei Mariens Himmelfahrt, mit Aposteln, welche mit dem Sargtuch Mariens hantierten, und beide bevorzugten später sogar unisono eine Kuss-/Riech-Geste. Der Augsburger Maler, der 1874 ein Nachfolge-Bild malte, kopierte Reni nur in der Mariendarstellung oben. Hatte er die Bodenszene einfach von Vorgänger-Gemälde übernommen? Sicherlich ist dies eine Spekulation, denn wir wissen nichts über den Verbleib des Ursprungbildes, aber es ist eine durchaus reizvolle Überlegung.
Jedenfalls ist die Möglichkeit, dass sich Michael Hayer seinerzeit bei der Bestellung des Altarbildes für Velburg an der Trautmannshofener Vorlage orientierte, in den Bereich des Möglichen, vielleicht sogar des Wahrscheinlichen gerückt.
Last not least: Cosmas Damian Asam konnte sich selbst am Bild von Trautmannshofen orientiert haben!
Frage 2: Wer sonst, wenn nicht Cosmas Damian Asam, hätte als Maler des Himmelfahrt-Motivs in der Region zur Verfügung gestanden?
Die schlichte Antwort lautet: Niemand!
Und noch etwas ganz zum Schluss:
Während das 1716 von Cosmas Damian Asam gemalte Altarbild "Mariä Verkündigung" für die Kirche Günching bereits seinen 1712/13 erworbenen Akademiestil ausstrahlt und im Vergleich zum Allersberger/Velburger Gemälde wesentlich plastischer und facettenreicher ausgeführt ist, vor allem, was die Chiaroscuro-Technik und die Vielfalt der Figuren und deren Aktivitäten und Ausdrucksformen angelangt, zählt das Altarbild aus Allersberg/Velburg nicht zu dieser Phase.
Das Allersberger Altarbild ist das einzige Großgemälde Cosmas Damian Asams, das sich aus dieser frühen,
vor-akademischen Zeit erhalten hat - besonders schön in seiner schlichten Ausgestaltung und obendrein eine
kunsthistorische Sensation!
Damit beenden wir unsere Wertung des Allersberger/Velburger Gemäldes der "Himmelfahrt Mariens mit dem
Herzgriff", weiten nun den Blick und betrachten beide Allersberger Seitenaltäre, welche 1959/60 mit
nahezu gleicher Fassung von der Stadtpfarrkirche Velburg in die Kirche "Mariä Himmelfahrt" in
Allersberg kamen.
Im Folgenden ist zuerst das Auszugsbild über dem Himmelfahrt-Altar wiedergegeben. Es zeigt den heiligen Martin, der die glänzende Rüstung eines Offiziers der kaiserlichen Reiterei (Helm und Armharnisch) abgelegt und durch den Ornat des Bischofs von Tours (351-397) ersetzt hat - gut erkennbar an der kostbar mit Perlen und Muster bestickten "Cappa magna" und der abgelegten "Inful" (Mitra) zu Füßen. Martin kniet und blickt nach oben voller Hingabe, weist dabei mit seiner Linken auf die abgelegten Rüstungsteile (Armharnisch, Helm), die Insigien des Soldaten. Über den Wolken thront der auferstandene Christus mit den Wundmalen und gibt Martin seinen Segen!
In dieser expressiven Form ist alternativ an keinen anderen heiligen Bischof zu denken. St. Martin war einst in der Gegend von Veldorf als Kirchenpatron beliebt, z. B. als Patron in den unmittelbar benachbarten Pfarrkirchen Lengenfeld und Klapfenberg (wobei letztere sogar zur Pfarrei Velburg gehörte), prägte er doch als sogenannter "Karolinger-Heiliger" die nordöstliche Grenze der karolingischen "Westermannmark" zwischen Weißer und Schwarzer Laber, die gerade hier seit dem 8. Jahrhundert verlief.
Vom Aspekt des Gemäldes her ist nicht abschließend zu entscheiden, ob es sich um ein Tafelbild oder um ein auf einen kräftigem Rahmen gezogenes Leinwand-Gemälde handelt; wahrscheinlich ist jedoch das zweite. Die beiden Zwickel in den unteren Goldrahmenecken waren urspünglich so gut angepasst, dass sie gar nicht auffielen. Später scheinen sie bei einer Herausnahme des Bildes abgebrochen und durch völlig unpassendes Material ersetzt worden zu sein.
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Der
Schaden am Auszugsbild der Gegenseite.
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Ignaz
Brunner, a. a. O. 1818, 14, 30, 157.
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Da das Auszugsbild auf der Gegenseite einen Leinwandschaden in der rechten unteren Ecke aufweist, gehen wir von einem Austausch der Bilder nach der Aufstellung der Altäre in Allersberg aus, wobei auch über dem Rahmen der Hauptbilder (unter stilistischem Bruch) Bänder aus skulpierten und vergoldeten Rosen angefügt und einzelne Seitenstatuen ohne Not ausgetauscht wurden, wie wir sicher wissen.
Über dem Altarbild mit der Asam'schen "Himmelfahrt Mariens" (das rechts oben und unten übrigens auch stark beschädigt ist, also vermutlich zu gewissen Zeitpunkt ebenfalls dem Altar entnommen war), ist ursprünglich das Bild des heiligen Erzengels Michael (vom Gegenaltar) anzunehmen, was nun auch deshalb einen besonderen Sinn ergibt, als der Spender und Auftraggeber des Himmelfahrt-Altars einst Michael und nicht Martin Hayer hieß.
Dass das dem heiligen Martin von Tours gewidmete Auszugsbild über dem falschen Altar hängt, wird nun vollends durch die Tatsache bestätigt, dass den "Anna-Joachim"-Altar einst der Velburger Jubelpriester und Benefiziat Martin Hieber gestiftet hat, der 1732 auch zu dessen Füßen bestimmungsgemäß begraben wurde. Ihm - und keinem anderen - muss in erster Linie das Martinsbild gegolten haben. Es gehört also auf den Seitenaltar gegenüber.
Als Martin Hieber 1725 unter der Protektion des neuen Pfleg-Kommissärs und Kastners Johann Rudolf von Windisch das Frühmess-Benefizium der Pfarrei Velburg übernahm, hatte er bereits ein hohes Alter und hohes Ansehen wegen seiner Frömmigkeit erreicht. Es ist nicht anzunehmen, dass er den Annenaltar erst nach 1725 stiftete, denn dieser Altar stand gar nicht auf der Seite der Kirchenerweiterung von 1722/23, und die beiden Auszugsbilder sind aus stilistischen Gründen doch am ehesten zeitlich gleich und deutlich früher zu datieren. Möglicherweise lebte Martin Hieber bereits seit langer Zeit in Velburg, als Priester für die dortigen Katholiken im Geheimen, also ohne öffentliches kirchliches Amt, da die Gemeinde bis 1618 offiziell protestantisch gewesen war. Das "candidus et rubicundus", mit dem er 1725 belegt wurde, kommt als Lobspruch und Ausdruck höchster Ehrerbietung übrigens wörtlich aus dem Hohen Lied der Liebe, Absatz 5, Vers 10 (lat. Vulgata-Text), Er bedeutet wörtlich "weißhaarig und rotwangig", als geflügeltes Wort aber "bereits hochbetagt, aber noch rüstig". Soweit zu Martin Hieber.
Doch lassen wir die Diskussion der Stifter beiseite und fahren wir mit der heutigen Disposition der Allersberger Seitenaltäre fort. Wichtiger als alle bisherigen Erkenntnisse ist der Stil, in dem dieses Gemälde des heiligen Martin von Tours ausgeführt ist. Es zeigt in seinen grazilen Details - Perlenbesatz und Blumenstickerei der Cappa magna und Inful, seidenes, am Arm durchscheinendes Untergewand mit Spitzenbordüren, Metallglanz der abgelegten Rüstung -, dass der Maler/die Malerin besonders versiert war in der Miniaturmalerei und im Malen von Metallglanz, in lasierenden Schichten.
Dies ist nun genau der filigrane Stil, den wir weder mit Georg Asam noch mit seinem Söhnen Cosmas Damian oder Egid Quirin verbinden, sondern einzig und allein mit Georg Asams Gattin Maria Theresia, geb. Prugger (1657-1719). Man vergleiche zur Erkennung der Ähnlichkeit die Darstellung der heiligen Elisabeth in der Spitalkirche von Sulzbach, dies genau dieselben Züge und deshalb auch genau diesselbe Malerin aufweist:
Die Erklärung hierfür ist einfach:
Maria Theresia war von klein auf von ihrem Vater Nikolaus Prugger (1620-1694) ausgebildet worden, der als Hofmaler der Kurfürsten Maximilian I. (1573-1651) und Ferdinand Maria im Rahmen der vom bayerischen Hof gewünschten Porträtierkunst genau die genannten Sparten abbildete: Miniatur- und Lasurmalerei.
Nur wenige seiner Gemälde sind heute verfügbar, und auch dies nur in schlechten Auflösungen. Dennoch zeigen wir in der Abbildung oben zunächst zum Vergleich das sehr sorgfältig ausgeführte Portät der Kurfüstin Elisabeth von Lothringen (1574-1635), Gattin Maximilians I. Diese strenge Dame trägt auf dem Gemälde Perlenketten um Hals und Haarschopf sowie Perlen-Ohrringe, auch zeigt sie ein Durchscheinen der Spitzenbordüren am Ärmel und besonders deutlich an ihrer vielschichtigen Halskrause. Ersteres war nur durch Detailmalerei mit sehr feinem Pinsel möglich, letzteres nur durch geschickten schichtweisen Auftrag von semitransparenten Lasuren. Das war die typische Handschrift Pruggers.
Notabene: In dieser Kunst hatte Prugger seine begabte Tochter schon unterrichtet, ehe sie am 26. November 1680 den Maler Georg Asam ehelichte, der bei Prugger zuvor als Geselle gearbeitet und sich auf die große Ölmalerei, aber auch auf das Affrescando italienischer Art spezialisiert hatte, das er bei Prugger nicht erlernen konnte.
Später, 1682/83, als Georg Asam den großen Auftrag erhalten hatte, für das Kloster Benediktbeuren eine Galerie aller Äbte zu malen, d. h. immerhin 58 Porträts, wird er sich die besonderen Fähigkeiten seiner Frau bei der Miniatur- und Metallglanz-Malerei zunutze gemacht haben. So gehen wir davon aus, dass es Maria Theresia Asam war, die am Ende bei all diesen Gemälden die letzte Hand anlegte.
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Stellvertretend
für alle 87,5 x 63,5 cm großen Porträts zeigen wir hier das Konterfei von Abt Placidus Mayr
(1671-1689), dessen Vorliebe wohl metallischen Kunstgegenständen galt.
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In diesem Zusammenhang halten wir es für beckmesserisch, entscheiden zu wollen, inwieweit Maria Theresia Adam die genannten Maltechniken auch ihrem Mann und ihren malenden Kindern beigebracht hat. Wir wollen diese Frage wie auch die Frage der Mitbeteiligung am Allersberger Auszugsbild bewusst offen lassen und beharren hier bei unserer Zuschreibung:
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Das
Hochaltarbild der Pfarrkirche St. Martin in Lengenfeld.
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Die führende Hand am Auszugsbild von Allersberg stammt von Maria Theresia Asam!
Allenfalls die Feingliedrigkeit der linken Hand des Bischofs ist exakt diesselbe, die wir oben für Cosmas Damian Asam reklamiert haben und hier auf dessen Mitbeteiligung hindeuten könnte. Aber wahrscheinlich hat diesen Sohn gerade in dieser "feinen Handarbeit" ebenfalls die Mutter angeleitet!
Doch wer nun immer noch an der Urheberschaft der Maria Theresia Asam am Auszugsbild "St. Martin" zweifelt, der werfe einen Blick auf das nebenstehend abgebildete, mit "1703" datierte und mit "G. Asam" signierte Hochaltarbild der Kirche St. Martin in Lengenfeld, das also sicher aus der Hand des Familienoberhauptes Georg Asam stammt:
Hier findet sich der heilige Bischof Martin von Tours in exakt derselben Pose wie auf dem Auszugsbild von Allersberg, mit exakt demselben Bischofsmantel, mit demselben Kinnbart und dem himmelwärts gewandten Gesicht mit Stirnglatze und mit exakt derselben Geste des linken Armes! Das ist kein Zufall:
Maria Theresia Asam hatte sich an der Vorlage ihres Gatten von 1703 orientiert!
Georg Asam war übrigens bei dieser Pose wie so oft vom italienischen Barockmaler Carlo Maratti (1625-1713) inspiriert worden, der z. B. 1685 den heiligen Karl Borromäus in gleicher Pose und später den heiligen Philipp Neri in ähnlichem Ornat gemalt hatte.
Soviel nur nebenbei!
Damit kommen wir zum Auszugsbild der Gegenseite, über dem ehemaligen "Anna-Joachim"-Altar:
Aktuell liegt uns nur eine sehr unscharfe Abbildung dieses Ölgemäldes vor. Gleichwohl erkennt man einen Mann in der Rüstung eines römischen Offiziers, mit all seinen Attributen: "cassis " = Eisenhelm, "crista" = rot-weißer Helmbusch, "apron" = Lederschutz mit "pteruges" = Schutzstreifen und "cingulum militare" = Militärgürtel, dazu "lorica musculata" = eherner Muskelpanzer, "pilum" = Spieß, "scutum" = eherner Schild, "chlamys" = roter Mantel, hier weit wallend, und "ocreae" = eherne Beinschienen. Eine schärfere Teilaufnahme aus Wikipedia zeigt, dass dieser römische Soldat zusätzlich Flügel hat und in der linken Hand eine fein ziselierte Handwaage aus Messing trägt. Mit diesen Attributen ist er eindeutig als Seelenwäger und Erzengel Michael festgelegt - wohlgemerkt jener Michael, der als Namenspatron dem Stifter Michael Hayer galt und ursprünglich den Gegenaltar geziert haben dürfte.
Es besteht auch hier kein Zweifel: Wegen der charakteristischen Ausführung und der gekonnten Darstellung licht-reflektierender Metalloberflächen aus getriebenem Eisen (Schild, Lorica, Beinschienen) oder Messing (Waage) erkennt man die Handschrift Nikolaus Pruggers, hier erneut verwirklicht und in Szene gesetzt durch seine Tochter Maria Theresia Asam!
Noch einmal greifen wir zum Vergleich: Nikolaus Prugger hat im Neuen Schloss Schleißheim (Staatsgalerie) ein 365 x 289 cm großes Reiterbildnis des Kurfürsten Maximilian I. hinterlassen. An ihm erkennt man die Meisterschaft Pruggers in der Metallmalerei, bei der Darstellung der schillernden Rüstung, daneben seine Neigung zum realistischen Detail, bei den Reitersporen und beim Zaumzeug des Pferdes aus Messing. Dazu der Vergleich mit der Malerei der Tochter, die in der Ausgestaltung von Metalleffekten, egal ob in der Fläche oder feinen Metallteilen, ihrem Vater und Lehrmeister in nichts nachstand!
Wenige Monate nach diesen Auszugsbild malte Maria Theresia Asam im Jahr 1710 mit Hilfe ihres Sohnes Egid Quirin auch das das Gemälde des epistelseitigen (linken) Seitenaltars in der Kirche "St. Ägidius" in Harenzhofen. Auch dieser Altar ist dem Erzengel Michael geweiht.
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Der
Altar des heiligen Erzengels Michael in der Kirche von Harenzhofen.
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In dieser Darstellung von seltener Dynamik und Farbigkeit hat nun der heilige "Engelssoldat" vom Auszugsbild seine Seelenwaage beiseite gelegt, um den Teufel, der doppelt als Schlange und als böser Mensch zu seinen Füßen dargestellt wird, aus den Himmelsspären mit dem Flammenschwert hinauszujagen und auf die Erde zu stürzen - gemäß der Offenbarung des Johannes, Kap. 12, 7-9:
Wieder erkennt man an den Metalloberflächen und Metallteilen die unverwechselbare Handschrift der Maria Theresia Asam, die selbst eine hochbegabte Malerin war. Diese Darstellung des Erzengels Michael ist nun der schlagende Bildbeweis, dass auch die beiden Allersberger/Velburger Auszugsbilder von Mutter Asam stammen. Den großen Anteil, den bei den Harenzhofener Altarbildern Sohn Egid Quirin genommen hat - Vater Georg und Sohn Cosmas Damian standen ja zum Zeitpunkt des Malens der Nebenaltäre nicht zur Verfügung - mag sich jeder Betrachter selbst ausmalen.
Nicht ohne Effekt in Zusammenhang mit den Altargemälden ist auch die stimmige Farbigkeit der Bilderrahmen, die Marmorierung der Kompositsäulen und der Kanzel sowie die Vergoldung des Altarschmucks. Daran hatte nun auch die Tochter Maria Salome ihren gehörigen Anteil!
Alles in allem halten wir den Altarraum von Harenzhofen für das schönste Beispiel des Zusammenwirkens der Familie Asam in einer Landkirche - wohlgemerkt ohne die Mitwirkung Cosmas Damian Asams!
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Die
Altäre der Kirche "St. Ägidius" in Harenzhofen.
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Dies hat wiederum den Pfleger des Tilly'schen Amtes Helfenberg nicht gehindert, Kritik an der Ausführung der Seitenaltäre zu üben - "weillen die Enge ... gar gemain ist" - und die Bezahlung zu kürzen, weil Georg Asam zu wenig Anteil an der Ausführung genommen hatte (von ihm stammte nur des Hochaltarbild; die Signatur "G. Asam" auf dem Michael-Bild war nur vorgeschoben).
Damit kehren wir zurück zu den Allersberger/Velburger Altären:
Die Erkenntnis, dass die beiden Gemälde in den Altarauszügen die Handschrift von Maria Theresia Asam tragen, führt wegen der teils konvexen (oben), teils konkaven Rahmenkontur (an allen anderen Seiten ) zu einer weiteren Schlussfolgerung:
Wir wissen nicht, wer in Velburg die Altarbaufbauten geschreinert und die schönen Seitenstatuen skulptiert hat, aber die Ursprungsfassung der Altäre (Vergoldung der Rahmen, Vergoldung und Bemalung der Säulen und des sonstigen Altarschmucks etc.) muss wohl ebenfalls von Maria Theresia Asam stammen, wie in Haranzhofen unterstützt von ihrer Tochter Maria Salome. Beide waren im Gegensatz zu den Männern der Familie ausgebildete Fassmalerinnen und Vergolderinnen!
Mit anderen Worten: Beides ging wohl Hand in Hand - die Auszugsmalerei und die Fassung der Altäre!
Wenn aber beide Auszugsbilder und Altarfassungen aus einem Guss sind, dann ist spätestens jetzt auch eine Überprüfung des großen Gemäldes im evangelienseitigen (linken) Seitenaltars in Allersberg nötig - bezüglich der Urheberschaft!
Zuerst kommen wir zur eigenartigen Geschichte des Bildmotivs:
Dass das Altarbild des linken Seitenaltars ursprünglich die Mutter Gottes, die heilige Maria, als Kleinkind zeigte, gesäumt von der Mutter Anna und deren Mann, dem heiligen Joachim, wurde bereits mit den obigen Angaben Ignaz Brunners untermauert. Dies ist eine Szenerie, die in den Apokryphen und in der Legenda aurea recht eindeutig beschrieben ist: die Präsentation der kleinen Maria durch ihre Eltern Anna und Joachim im Tempel von Jerusalem!
Auf dem Gemälde wird dieser Tempel durch kannelierte Säulen im Hintergrund ausgedrückt, welche - korrekterweise - keine runde Kannelierung griechischer Ordnung (dorisch, jonisch oder korinthisch), sondern eine rechteckige, also nicht-griechische oder nicht-römische Kannelierung aufweisen - gerade so, wie es zum jüdischen Tempel in Jerusalem passt.
Erst viel später wurde aus dieser Personengruppe eine "Anna Selbdritt" - und die Tempelsäulen wurden damit zum unpassenden Element!
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Der
evangelienseitge, also linke Seitenaltar der Pfarrkirche von Allersberg, mit einem großen Altarbild,
das heute die "Anna Selbdritt" zeigt.
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In der folgenden, alten Fotografie rechts erkennt man den Velburger Zustand des Altares; der Allerberger Zustand von heute ist zum Vergleich beigefügt:
Aufstellort ist auf der alten Fotografie nicht mehr der nördliche mittlere Wandpfeiler (vgl. Plan oben), der ja 1875 verlassen wurde, sondern die nördliche Seitenwand der Pfarrkirche von Velburg. Der einstmalige Altaraufsatz ganz oben - eine Heiligenfigur? - ist heute verschwunden. Während die linke Seitenfigur der heiligen Barbara am alten Ort geblieben ist, findet sich nun als rechte Statue des Altars die heiligen Margareta, die eigentlich zum Himmelfahrt-Altar auf der Gegenseite gehört. Ob die einstige Statue zur Rechten des "Anna Selbdritt"-Altars der heiligen Apollonia der Gegenseite entspricht, wagen wir wegen der unscharfen Fotografie nicht zu entscheiden: Während diese Figur auf dem heutigen Himmelfahrt-Altar sehr ausladend und alles in allem unpassend gestaltet ist, findet sich auf der alten Fotografie eher eine schlankere Heiligenfigur. Aber vielleicht kommt dieser Effekt auch nur durch eine Drehung der heiligen Apollonia zustande. Die überbogenen Bänder viel zu dünnblättriger Rosen auf den Allersberger Seitenaltären gehören nicht zur ursprünglichen Asam-Fassung; sie stammen wohl von der Restaurierung von 1960, aus wenig geschickter Hand!
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Allersberger
und Velburger Zustand des Nebenaltars zum Vergleich.
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Während Brunner im Jahr 1818 diesen nördlicher Pfeileraltar (auf gleicher Höhe wie der Himmelfahrt-Altar; vgl. Plan oben) als schönen "Anna-Joachim"-Altar beschrieb, ist dieser Altar 1906, in den Kunstdenkmälern von Bayern, BA Parsberg, gar nicht erwähnt und in der "Allgemeinen Pfarrbeschreibung" F. X. Buchners von 1938 - ebenso wie 2 weitere Nebenaltäre - gänzlich verschwunden, [Buchner, Dekanat Eichstätt 2, 698].
Dagegen ist nun von einem Altar der "S. Anna Selbdritt" die Rede, der wiederum in Brunners Kirchenbeschreibung noch gar nicht existierte.
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Auszuzg
auch F. X. Buchner: Das Bistum Eichstätt, Band 2, 1938, 698.
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War also das Altarbild des "Anna-Joachim"-Altars durch ein Altarbild der "Anna Selbdritt" ersetzt worden?
Nach genauerer Betrachtung des Altarbildes glauben wir dies nicht. Vielmehr spricht Einiges dafür, dass der stehende "heilige Joachim" der rechten Bildhälfte kurzerhand mit einer sitzenden "Mutter Anna" übermalt wurde, sodass nun aus der jugendlichen Anna zur Linken eine "Gottesmutter Maria" wurde, und aus der einstigen "kleinen Anna" in der Mitte das "Jesuskind".
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Ausschnitte
aus obigem Altarbild.
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Folgende Ausschnitte sprechen besonders für die vermutete Übermalung:
Die Ausführungen der Kopfbedeckungen beider Frauen zeigen so eklatante Qualitätsunterschiede - links gekonnt, rechts stümperhaft -, dass hier die Arbeit zweier Maler unterschiedlichen Könnens besonders evident wird: links Profi, rechts Laie!
Natürlich lässt sich erst durch eine Restaurierung des Bildes dieser Manipulationsverdacht endgültig belegen. Vorbehaltlich dieser Maßnahme gehen wir aber schon jetzt von einem fast hälftig geteilten Bild aus. Denn selbst wenn sich bei der Restaurierung wider Erwarten herausstellen sollte, dass hier doch keine Übermalung vorliegt, so hätte dieses Bild eine äußerst ungeschickte Hand erst viel später fertiggestellt - und das liefe auf dasselbe hinaus. Deshalb bitten wir den Leser dieser Seite, nochmals oben das gesamte Gemälde zu betrachten:
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Der linke Seitenaltar von Harenzhofen, der "Heiligen Familie" gewidmet, mit Maria, Joseph und dem Jesuskind.
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Die partielle Handschrift der Asams auf dem Altarbild von Allersberg/Velburg begründet sich durch weitere Eigenheiten, die in Zusammenhang mit den Altarmotiv im Speziellen und dem St.-Anna-Patrozinium des Altars im Allgemeinen stehen:
Oder sie bedienten sich ihrer künstlerischen Freiheit, in dem sie 1. als Verehrungsfigur den Kirchgängern von Velburg lieber eine schöne und junge als eine alte, vergreiste Anna vorstellten, wobei sie 2. eine Implausibilität der Legenda aurea ausglichen (und damit deren Glaubwürdigkeit erhöhten), welche die greise Anna aus zwei weiteren Ehen noch zwei weitere Marias gebären ließ, was nun geradezu eine Unmöglichkeit darstellte.
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Skulptur
der "Anna Selbdritt" in der Stadtpfarrkirche in Velburg. Sie soll aus der Friedhofkirche stammen.
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So bleibt am Schluss nur noch die Fragen zu klären, wann, warum und von wem in Velburg ein "Anna-Joachim"-Altar überhaupt in einen "Anna Selbdritt"-Altar umgewandelt wurde.
Vorweg: Wir haben zu keiner dieser Fragen eine schriftliche Information gefunden!
Aktuell bleibt nur die Spekulation, dass man zu gegebenem Zeitpunkt (sicher nach 1792) vorhatte, die beiden Nebenaltäre in die Velburger Gottesacker-Kirche "St. Anna" zu transferieren, nachdem man schon Jahrzehnte zuvor deren Schiff barockisiert hatte. Wenn nämlich von dort eine kleinere "Anna Selbdritt"-Altarskulptur in die Hauptkirche von Velburg verbracht wurde, was nachweislich geschah, dann ist vorstellbar, dass man den frei gewordenen Platz durch einen größeren "Anna Selbdritt"-Altar ersetzen wollte. Allerdings ist dieser Altar-Transfer zu keinem Zeitpunkt vollzogen worden, und es blieb in der Friedhofkirche bei jener wertvollen, spätgotischen Altar-Ausstattung aus Landhuter Schule, die ca. 1510 vom Inhaber der Herrschaft Velburg, Georg Wispeck († 1518), gestiftet wurde und bis heute dort verblieben ist.
In der Kirche "Mariä Himmelfahrt" im Markt Allersberg (Landkreis Roth) stehen seit
1960 zwei barocke Seitenaltäre, die bis dato in ihrer kunsthistorischen Bedeutung nicht
erkannt sind.
Nach
einer gründlichen ikonografischen Untersuchung der vier Altarbilder und ihrer Malerhände, sowie nach einer
historischen Einordnung der Altäre und ihrer Entstehungsumstände steht jedoch fest:
Die
beiden portablen Altäre, die von ca. 1710/16 bis 1959 in der Stadtpfarrkirche "Johannes Baptist" in
Velburg als Nebenaltäre aufgestellt waren, ehe sie für 8000 DM Kaufsumme an die Pfarrei Allersberg
abverkauft wurden, wurden in toto, d. h. mit 4 Altarbildern und den jeweiligen Fassungen, von
Mitgliedern der berühmten bayerischen Künstlerfamilie Asam ausgeführt.
Beide Altäre wurden zur Schaffung privilegierter Grabplätze (innerhalb der Velburger Pfarrkirche) von gebildeten Velburger Bürgern privat gestiftet, weshalb sie - mit einer bedeutsamen Ausnahme - in Amtsakten und Kirchenrechnungen nicht auftauchen. Dennoch war es möglich, die Stifterpersonen zu ermitteln: Auftraggeber für den rechten Altar war der pfalz-neuburgische Kastner und nachmalige Pfleger Michael Hayer († 1719); für den linken Altar gab der katholische Priester und spätere Benefiziat Martin Hieber († 1731) den Auftrag.
Eine fach- und sachgerechte Restaurierung aller Gemälde könnte zum Erhalt dieser wertvollen Altargruppe beitragen und noch einige offene Fragen klären!
Berching,
den 11. März
2026
gez. Dr. Werner Robl