Jungsteinzeitliche Stätten in Europa

© Werner Robl 2016

 

Die Kreisgrabenanlage von Goseck (4900 v. Chr.)

Im Jahr 1991 wurde westlich der Ortschaft Goseck in Sachsen-Anhalt aufgrund von Bewuchsmerkmalen eine steinzeitliche Kreisgrabenanlage von ca. 75 m Durchmesser entdeckt, welche zwischen 2002 und 2004 in 3 Grabungskampagnen vollständig erschlossen wurde. Das Bodendenkmal ist heute komplett rekonstruiert und als Freiluftmuseum touristisch erschlossen.

Radiokarbondaten und der gefundenen Stickbandkeramik zufolge wurde diese Anlage mit ihrem umgebenden Wallgraben, 2 konzentrischen Palisadenkreisen und 3 Toren um 4900 v. Chr. errichtet und über mindestens 3 Jahrhunderte, bis 4700 v. Chr. genutzt.

Ursprünglich war die Anlage kreisrund, d. h. von den jungsteinzeitlichen Erbauern um einen Zentralpflock herum mit dem Spannseil ausgezirkelt worden. Eine geomagnetisch und luftbildarchäologisch feststellbare Grund- und Oberflächenwasserrinne mit Flussrichtung nach Nord und Ost hat über die Jahrtausende hinweg eine fluviatile  Verschiebung des Mutterbodens  erzeugt und peu-à-peu die Anlage entrundet, so dass sie sich heute etwas längsgezogen als Oval darstellt. Der Ansicht, dass es sich um eine willentlich konstruierte Form handelt, kann man sich unter den genannten Aspekten kaum anschließen, zumal auch der Zweck einer solch aufwändigen Konstruktion nicht erkennbar wäre.


Links die Kreisanlage Goseck in Überprojektion mit Daten der geomagnetischen Prospektion, rechts ein natives Luftbild.

Insbesondere im nordwestlichen Kreissegment ist das Terrain durch die Abschwemmung nachgerutscht, sodass eine nabelförmige Einziehung des Wallgrabens und eine Abflachung der Palisadenstrecken die Entrundung verstärkt. Der weiße Kreis in nebenstehender Aufnahme verdeutlich der Verlust der Kreisform, die Pfeile verweisen auf die geschilderte, zusätzliche Delle.

Wir vermuten, dass dieses Abtriften bereits zur Erbauungszeit geahnt war, denn sonst hätten die Erbauer nicht die fortifikatorisch sinnvollere Anordnung mit äußerem Graben und innerem Wall umgekehrt, so wie sie z. B. Jahrtausende später auch durch den "sulcus primigenius" der klassischen Antike präsentiert: In Goseck verdichtete von Anfang an der Außenwall das Terrain, um den Einstrom von Grund- und Oberflächenwasser in die Anlage durch die Bodenverdichtung zu unterdrücken. Der Innengraben drainierte dagegen die Anlage vom regenbedingten Oberflächenwasser, was sicherlich der Haltbarkeit der inneren Eichenpalisaden zugute kam!

Es handelt sich bei dieser Anlage, wie bereits W. Schlosser, Th. Lorenz u. a. festgestellt haben, um ein neolithisches Kalendarium. Um den Sinn dieser Anlage zu verstehen, ist es zweckmäßig, sich zuerst in die Situation der Steinzeitmenschen zurückzuversetzen und in Grundzügen nachzuvollziehen, wie sich bei ihnen das Kalenderverständnis entwickelt haben könnte:

Die Entwicklung des neolithischen Zeitgefühls

Das erste, was den Menschen der Vorgeschichte wohl in das Bewusstsein und in das kollektive Gedächtnis drang, war die Erkenntnis, das alles Leben und Wohlbefinden von der wärme-, licht- und lebenspendenden Wirkung der Sonne abhing. Solange die Menschen ausschließlich als Sammler und Jäger ihr Leben fristeten, war wohl die intuitive Erfassung des Sonnenjahres mit seinem Ablauf und das daüber angesammelte Erfahrungsweissen ausreichend: Das Sammeln nährstoffreicher Pflanzen, der Tierfang und die Jagd, die vermutlich schon damals auf Brutzzeiten Rücksicht nahm und Schon- und Jagdzeiten unterscheid, vor allem aber die lange Zeit des Winters, in dem man auf viele Nahrungsgrundlagen verzichten und dennoch durchkommen musste, all das war primär vom Ablauf des Sonnenjahres und dem Wechsel der Jahreszeiten abhängig, und weniger vom einzelnen Tag-Nacht-Rhythmus oder einer Wochen- und Monatseinteilung.  Als wichtigsten, geradezu schicksalswendenden Fixpunkt im Sonnenjahr erfasste der Mensch der Steinzeit vermutlich den Tag der Wintersonnenwende, von der alles weitere Leben abhing. Sehnsüchtig wartete man auf diesen Tag, nach dem sich die Tage wieder verlängerten, denn wäre er ausgeblieben, hätte dies nichts anderes als den eigenen Untergang bedeutet! Nach dem Tag der Wintersonnenwende wurde wohl bald auch der Tag der Sommersonnenwende und nach diesen beiden der Termin der Tag- und Nachtgleichen von den Menschen erfasst und nach ihnen das Jahr grob in 4 Abschnitte geteilt. Von Stunden, Tagen und Monaten, von höhergradigen Zahlen und komplizierten Zahlenverhältnissen musste bis dahin wohl noch keiner; alles war von der Beobachtung der Sonne und anderer Gestirne abhängig!

Die Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht und die damit verbundene Ausbildung höhergradiger sozialer Strukturen, wie z. B. Dorfgemeinschaften und Sippenverbände, brachten eine gewisse Veränderung. Nun erforderte die optimale zeitliche Festlegung der Feldarbeit, der Aussaat, der Holzfällerei eine präzisere Zeiterfassung, außerdem unterteilten alsbald Festtage den Jahresablauf und bedurften einer exakte Terminierung. Zur Zählung und Unterteilung boten sich nun die in kürzerem Abstand wiederkehrenden Mondphasen an. Der Versuch, das Sonnenjahr in Mondzyklen von 29,5 Tagen zu unterteilen, lag auf der Hand. Der Wechsel von Neu- zum Vollmond ließ sozusagen den Ur-Monat als Zeiteinheit entstehen, zog aber allein durch seinee Tageszahl und den damit verbundenen Halbtag erhebliche Probleme der Jahreseinteilung nach sich. Ein Mondjahr war alles andere als identisch mit dem Sonnenjahr von 365 Tagen. Zwar kamen 12 Mondzyklen, auch Lunationen genannt, mit ihren 354 Tagen dem Sonnenjahr nahe, zur Deckungsgleichkeit kam es jedoch nicht, und es verblieb eine Differenz von 11 Tagen, die anderweitig uszugleichen war. So entschloss man sich im Lauf der Zeit, in ca. jedem 3. Mondjahr eine 13. Lunation folgen zu lassen, was nunmehr ein langes Mondjahr von 384 Tage zu Folge hatte. Dies glich zwar mit einer Verlängerung des Sonnenjahres um 19 Tage den zuvor entstandenen Mangel von 2 x 11 Tagen des kurzen Mondjahres aus, ließ aber immer noch ein Defizit von 3 Tagen zurück und brachte einer korrekten Monatszählung und Neujahrbestimmung erhebliche Auflagen, die mit der blanken Naturbeobachtung nicht mehr zu bewältigen waren, sondern ein materielles, haltbares Zählwerk erforderten, bei dem jeder Tag markiert wurde und ja keiner ausgelassen werden durfte. So entstanden die steinzeitlichen Kalendarien - meist in Form von Großbauten aus Holz oder Stein.

Die Kreisanlage von Goseck ist eine solche Zählanlage, aber trotz ihres hohen Alters kennzeichnet sie nicht diesen, sondern einen weiteren, erheblichen Entwicklungschritt der Kalenderentwicklung. Denn ab einem nicht näher definierbaren Zeitpunkt x  befriedigte die Notlösung der Umschaltung des Mondjahres von kurz auf lang nicht mehr, und man bemühte sich, einen noch besseren und vor allem Jahr für Jahr konstanten Algorhythmus zu entwickeln, der die Tageszählung mit dem Sonnenjahr in Abgleich brachte und zugleich die Verschiebungen durch die Mondzyklen ausglich.

Notabene: Als geometrische Schlüsselfigur für diesen Schritt diente das Pentagramm!

Das Kalendarium von Goseck

In der Ringanlage von Goseck lassen sich in der Tat alle der soeben sehr summarisch dargestellten, ersten Phasen der prähistorischgen Kalenderentwicklung darstellen. Zur optischen Verdeutlichung folgt zunächst eine Satellitenaufnahme der Anlage, in die u. a. all die Sektoren und Fluchten eingezeichnet sind, die sich aus dem Sonnenjahr ergaben:

Goseck ist jedoch noch viel mehr: Uns kommt es weniger auf die geschilderte Palisadenlücke um den 29. April herum an, die der Kalenderforscher Th. Lorenz zum Anlass nahm, von diesem Datum in Abhängigkeit vom Vollmond auf den Wechsel zwischen kurzem und langem Mondjahr zu schließen, sondern auf den viel weniger beachteten 9. April, der nach W. Schlosser in einer Doppellücke der östlichen Palisaden lag und durch einen einzigen, frei stehende Pfahl am Innenring genau markiert wurde. Man vergleiche zum Verständnis des Folgenden das Datum und die kleine Detailabbildung in obiger Satellitenaufnahme.

Der 9. April entspricht keinem der heute bekannten Jahresfeste aus der Keltenzeit oder einem anderweitigen Ereignis, er trägt aber als Tag in sich eine überragende Eigenschaft: Er teilt nämlich das erste Sonnenhalbjahr, also die Spanne zwischen Wintersonnenwende und Sommersonnenwende in zwei Abschnitte von je 108 Tagen (seit der Wintersonnenwende) und 72 Tagen (bis zur Sommersonnenwende), wenn man das Halbjahr auf 180 Tage festlegt - so, wie die Gradzahlen in einem Halbkreis!

Die Zahlen 108 und 72 sind aber dem Leser dieser Seiten bestens bekannt:

Es handelt sich um die beiden wichtigsten Winkelzahlen eines Pentagramms, die sich ebenfalls zu einem Halbkreis von 180° ergänzen.


In der Anlage von Goseck ergibt die Summe zwischen 108 und 72 Tagen im Jahreskreis eine Halbjahrsdauer von 180 Tagen und eine Ganzjahresdauer von 360 Tagen!

Mit dieser Summenzahl, die in Goseck durch den einen Schlüsseltag 9. April und den Analogieschluss aus der Kreisgeometrie abzuleiten ist, entsteht ein Modell für das Sonnenjahr, das ca. 2000 Jahre später auch für das ägyptische Verwaltungsjahr nachzuweisen ist: als Summe von 360 Einzeltagen. Doch damit nicht genug: Da der 9. April selbst als Tag von dieser Zählung ausgenommen ist, und - wie in folgender Abbildung zu erkennen - an den anderen Pentagrammspitzen noch weiter 4 derartige Zwischen- oder Schalttage bestehen, wird zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte die Anzahl der Tage des Sonnenjahres mit 365 exakt codiert - genau so, so wie sie auch heute, nach 6900 Jahren, noch gilt!

Mit diesem außerordentlich wichtigen Phänomen sehen wir im Doppelring von Goseck die 3 wichtigsten Etappen der steinzeitlichen Kalenderentwicklung vereinigt:

  1. zuerst die Festlegung des Sonnenjahrs,
  2. dann die Tagesrhythmik und Tageszahl beiden Mondjahre und
  3. zuletzt die Fortentwicklung des lunisolaren Kalenders zum 365-Tage-Volljahr mit je zwei Halbjahressegmenten à 180 Tagen und Verwendung eines Pentagramms zur gleichmäßigen Verteilung von 5 zusätzlichen Schalttagen in gleichen Abständen!

Die folgende Grafik gibt zum letzten Punkt die exakte geometrische Information innerhalb eines Vollkreises wieder.

In diesem Jahreskreis sind der 9. April und der 21. Juni (Sommersonnwendtag) als Schalttage nach der bisher geschilderten Information von Goseck bereits vorgegeben, hinzu kommen der 2. September, der 14. November und 27. Januar. Im nachfolgenden Grabungsplan der Anlage haben wir für diese Tage sowohl die Sonnenaufgangsachsen (rechte Bildhälfte) als auch die Sonnenuntergangsachsen (linke Bildhälfte) eingetragen. Man erkennt:

Auch für diese Tage kann man an den Palisadenringen auffallende Lücken und davor und dahinter exakt fluchtende Fundstellen nachweisen!

So begrenzt z. B. die Sonnenuntergangsachse am 14. November und 27. Januar in auffallender Weise die zahlreichen Funde von Rinderschädeln am südwestlichen Ringwall.

Man muss diese Häufung gar nicht zwingend als Ausdruck einer isolierten Opferhandlung ansehen, wie es folgende Zeichnung etwas melodramatisch suggeriert.


Genauso gut kann die scharfe Trennlinie dem Umstand geschuldet sein, dass vor dem 14. November und nach dem 27. Januar Rinder üblicherweise nicht geschlachtet wurden. Die Schlachtsaison lag vermutlich in der dazwischen liegenden, kalten Jahreszeit, in der das Rindfleisch nicht so leicht verdarb und ggf. sogar im Eis und Schnee als winterlicher Einweißvorrat konserviert werden konnte.

In diesem Fall hätte man die Rinder tagsüber geschlachtet und abends dazu ein Fest gefeiert, bei dem zur Ehre der tief stehenden und nur schwach wärmenden Sonne die ausgebeinten Schädel tagessynchron an der Anlage fixiert wurden - als Memorandum, als Opfer an die Sonnengottheit und Ausdruck der handwerklichen Leistung und ihres Datums zugleich. Nur ein Schädel am Südosttor liegt knapp außerhalb der geschilderten Datumsgrenze, die das Pentagramm vorgibt, was ein späteres Artefakt sein kann. Dagegen liegt auffallenderweise je ein einzelner Schädel in achssymmetrischer Disposition auch auf der Kreuzung der verlängerten Winterachsen (= gestrichelte Linien) mit den nördlichen Außenwällen! Nur die Häufung von Rinderschädeln am Nordtor liegt außerhalb unseres Erklärungsmodells; hier mögen andere, bislang unbekannte Kriterien der Anbringung gegriffen haben.

Bei den Palisadenlücken und Gruben der genannten  Tage auf beiden Seiten der Anlage bestehen selbstverständlich wegen der eingetretenen Entrundung der Anlage gewisse Unschärfen. Ihrer ebenfalls gegebenen Signifikanz tut dies jedoch keinen Abbruch.

Zwischenbilanz

Wie es scheint, gelang es in der Kreisanlage Goseck von 6900 Jahren nicht nur erstmals, das Sonnenjahr und die beiden Mondjahre mit ihren unterscheidlichen Lnationen aufeinander abzustimmen, sondern erstmalig auch den 365-Tage-Kreis eines Kalenderjahres zu definieren - so, wie er heute noch gilt. Dieser Kreis wurde mit Hilfe eines Planungspentagramms in 5 Sektoren à 72 Tagen unterteilt. Abgesehen von den Vorzügen für die Entwicklung des Jahreskalenders ist damit der Nachweis erbracht, dass  das Pentagramm bereits 4900 v. Chr. als geometrische Figur bekannt war!

Weitere Eigentümlichkeiten

Für die Einteilung in 5 aufeinander folgende 72-Tage-Kreise unter Zwischenplatzierung von 5 Schalttagen gibt es ein weiteres Indiz:

 Th. Lorenz hat in seinen Arbeiten plausibel dargestellt, dass in früher Zeit nicht die heutige 7-Tage-Woche, sondern eine 8-Tage-Woche galt, deren indogermanischen Sprachwurzel sich bis heute in sprachlichen Ausdrücken erhalten hat (z. B. Acht geben, die Zahl "neun" abgeleitet von "neu", Ausdrücke wie "in 8 Tagen" oder "eight days a week").

Eine derartige 8-Tage-Woche als zweitkleinste Jahreseinheit (neben dem Einzeltag) fügt sich zwanglos in den 72-Tage-Kreis ein, so dass dieser Prototyp eines Langmonats aus 72 : 8 = 9 Wochen bestand.

Ein weiteres Indiz für die Verwendung des Pentagramms mit seiner Fünfzahl und der 8-Tages-Woche findet sich in dem Umstand, dass in späterer Zeit die 4 Hochfeste des Keltenjahres (Imbolc = 1. Februar, Beltane = 1. Mai, Lughnasadh = 1. August und Samhain = 12. November) genau 40 Tage nach den Sonnwenden und den Tag- und Nachtgleichen stattfanden. In diesem 40-Tage-Intervall, das sich mit der Symbolzahl 40 auch in vielen Menschheitsmythen und in der Bibel erhalten hat, liegt das Produkt 8 Tage x 5, womit die 8-Tage-Woche und eine Zyklusbildung mit Hilfe der Pentagrammzahl 5 dokumentiert ist.

Um bei der 8-Tage-Woche ein ungefähre Synchronisierung mit den Mondzyklen und eine passende Monatsdefinition von 30 Tagen zu erreichen, so dass nun je 3 Monate eine Jahreszeit und 12 Monate eine 360-Tage-Jahr umfassen konnten, soll später auf 3 Wochen à 8 Tagen = 24 Tage eine 6-Tage-Kurzwoche als Schaltwoche eingeführt worden sein. Zumindest gelang Th. Lorenz genau der Nachweis dieses Phänomens an der im Vergleich zu Goseck um mehr als  2000 Jahre jüngeren, megalithischen Ringanlage von Stonehenge in Südengland, die weiter unten vorgestellt wird. So kam es, dass die ursprüngliche 5er-Teilung des Jahreskreises durch das Pentagramm, die in Goseck erstmals zur guten Synchronisation mit dem Zyklus des Sonnenjahres geführt hatte, nach und nach wieder vergessen und außer Acht gelassen wurde, wenn man von den erwähnten Keltenfesten in der Bronzezeit, die die alte Rhythmik nochmals im verkleinerten Maßstab aufnahmen, einmal absieht. Die Zahl 24 aber hat sich ein weiteres Mal, nunmehr in der Zahl der Tagesstunden erhalten!

Dass 62 km nördlich von Goseck in nahezu derselben Zeit eine weitere Ringanlage mit der Symbolzahl 5 entstand, ist sicherlich kein Zufall. Das mehrzeitig besiedelte Ringfort der sog. Schalkenburg bei dem Ort Quenstedt trug anfangs eine neolithische Anlage, die aus exakt 5 konzentrischen Palisadenkreisen, eingeteilt in jeweils 3 Sektoren, bestand. Die genauere Funktion dieser Anlage ist heute unbekannt, Berechnungen zur Anzahl der verwendeten Palisaden auf jedem Ring liegen nicht vor. Aber immerhin sind in Qenstedt 15 Teilabschnitte von Palisadenwänden entstanden, wobei jeder Einzelabschnitt, auf das 360-Tage-Jahr bezogen, einem 3-Wochenzyklus von 24 Tagen entsprach, so wie er oben bereits diskutiert wurde.

Es handelt sich also beim 24-Tage-Zyklus möglicherweise um eine frühe, steinzeitliche Definition einer monatsähnlichen Zeiteinheit, die später in einem weiteren Schritt um 6 Tage zum 30-Tage-Vollmonat erweitert wurde.

Um all dies zu erkennen, bedurften die Steinzeit-Astronomen der Ringanlagen von Quenstedt und Goseck einer langjährigen, subtilen Naturbeobachtung und exakter Aufzeichnungen, ehe man an den Entwurf und die Ausführung der Palisaden-Kalendarien gehen konnte.

Die intellektuelle Leistung dieser vor noch nicht allzu langer Zeit als "primitiv" angesehenen Steinzeitmenschen kann demnach gar nicht hoch genug eingeschätzt werden!

 

 

Die megalithischen Tempelanlagen von Malta (3600 bis 2500 v. Chr.)

Die megalithischen Tempelbauten von Malta sind älter als die minoische Kultur und die ägyptischen Pyramiden, aber deutlich jpnger als die Anlagen von Goseck oder Quenstedt. Bereits 5000 v. Chr. wurde die Mittelmeerinsel Malta mit der Nachbarinsel Gozo durch ein Volk unbekannter Provenienz frühbesiedelt, um 4000 v. Chr. begann diese steinzeitlichen Bauern, Jäger und Fischer ihre Toten unterirdisch in katakombenartigen Gräbern zu bestatten. Ca. 400 Jahre später entstanden auf Malta die ersten Tempelanlagen aus gewaltigen, grob behauenen Kalksteinblöcken mit bis zu 20 Tonnen Gewicht. Typisch für diese Megalithbauten ist die apsidiale Bauweise, die den Anlagen einen blattförmig gelappten Grundriss verlieh. Um 2500 v. Chr. endete diese frühe Kulturphase Maltas jäh, sie brach ab aus noch immer nicht geklärten Gründen (Klima oder Umweltkatastrophe? Seuchen?) in sich zusammen. Erst bronzezeitlich ging dann die Geschichte der Mittelmeerinsel weiter.

Heute zählen die 23 ergrabenen Tempelkomplexe von Malta zum UNESCO-Weltkulturerbe. Nach und nach verschwinden sie unter weiten Segeldächern, mit denen ihre weitere Zersetzung durch den sauren Regen aufgehalten werden soll. Folgende Luftaufnahmen, die einen ersten Eindruck dieser Anlagen vermitteln, sind also bereits historischer Natur. Rechts unten ist eines der neuen Segeldächer erkennbar, das nun die Megalithblöcke schützt.

 

Es kann an dieser Stelle nicht darum gehen, all 13 Perioden der maltesischen Frühkultur im Detail zu schildern. Uns interessiert einzig und allein die Frage, ob auch die Steinzeit-Malteser über die Konstruktionsweise mit Pentagrammen und Lichtachsen verfügten - oder nicht.

Ggantija

Typisch für die Anfangszeit der Megalithkultur von Malta ist der Tempelkomplex von Ggantija auf Gozo, den einst eine 16 m hohe, wuchtige Außenmauer umgab. Die älteste Tempelanlage wurde als 3-lappiger Bau schon vor 4000 v. Chr. begonnen, ca. 3600 v. Chr. wurde er zum 5-lappigen Komplex erweitert und anschließend um einen nordöstlichen Zweit-Tempel erweitert.

Wenn man folgenden Plan betrachtet, dann fällt zunächst auf, dass beide Tempeleingänge von konkavbogigen Mauerstücken gesäumt sind. Damit ist bereits bewiesen, dass das Zirkeln und Auspflocken eines Kreises planerisches Mittel dieser mediterranen Steinzeitleute gewesen ist, mithin ein Vorentwurf existiert haben muss, der die künftige Tempelanlage bereits exakt beschrieb, ehe man mit dem Bauen begann.

Des Weiteren zeigt sich, dass die Südwestmauer des Komplexes exakt mit der Sonnenachse zur Zeit der Wintersonnenwende (21. Dezember) fluchtet, also auch in Bezug auf das Sonnenjahr bereits Überlegungen beim Bau zum Tragen kamen. Die Achse der Sommersonnenwende entspricht zwar nicht exakt der Ausrichtung der Innentempel, aber sie fluchtet relativ exakt mit einem kurzen Stück der westlichen Seitenapsis im ältesten Teil der Anlage (links vom Buchstaben A im Plan).

Ungleich wichtiger als diese Phänomene erscheint uns allerdings, dass alle 5 Buchten des älteren Tempels mit den 5 Spitzen eines Planungspentagramms in Einklang zu bringen sind. Dabei markiert eine kurze Querachse zwischen 2 Innenecken des Pentagramms exakt die Grenze zwischen dem Vestibül und dem eigentlichen Tempel und legt dabei die lichte Weite zwischen den große Orthostaten (aufrecht stehende Tragfelsen) das Eingangs fest.

Im kleineren und später entstandenen Nebentempel gelten nahezu dieselben Kriterien, nur dass hier das Innenpentagramm eine inverse Ausrichtung zeigt. Aber auch hier markieren die Innenecken und eine Querachse exakt die Grenze der verschiedenen Bereiche.

Bei einem solchen Befund ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass Pentagramme und Lichtenachsen den Malteser Baumeistern der Steinzeit bereits bereits bekannt waren!

Hagar Qim

Eine Bestätigung für diese Annahme findet sich in der Anlage von Hagar Qim, einem anderen der 5 Hauptempelbezirke von Malta, der sich zusammen mit dem Tempel von Mnajdra im Süden der Hauptinsel befindet. Der Südtempel von Hagar Qim mit seinen 7 apsidialen Räumen wurde zwischen 3000 und 2500 v. Chr. errichtet. Er ist damit etwas jünger als der kleine Nordtempel, der einen schlechteren Erhaltungszustand aufweist, aber bis 3600 v. Chr. zurückreicht und bereits über einem Pentagramm aufgerissen worden sein kann.

Betrachten wir nun etwas genauer den Grundriss des Südtempels in folgender Abbildung:

Die Anlage setzt sich aus einem nahezu kreisrunden Areal im Südwesten mit dem Hauptanteil der Tempelkammern und einem kleineren, teils runden, teils eckigen Areal im Nordosten zusammen. Dazwischen findet sich eine schräg verlaufende, ansonsten annähernd rechtwinkelige Eingangszone, mit den beiden Haupteingängen zu beiden Seiten.

Bei dieser Disposition fällt auf, dass die Sonnenaufgangsachse zur Wintersonnenwende nahezu exakt der Achse des Eingangsbereichs entspricht, so dass die erste Morgensonne am 21. Dezember durch die beide Tore hindurchscheinen konnte. Im Gegensatz dazu folgen die Tempelmassen zu beiden Seiten grob der Sonnenuntergangsachse zum selben Zeitpunkt, wobei die beiden südwestlichen Tempelkammern Außentore hatten und so einen Teil des winterlichen Abendlichtes in sich aufnahmen.

Es scheint also in Hagar Qim wie in Ggantija das Sonnenjahr berücksichtigt worden zu sein - mit der Folge einer raffinierten Konstruktion!

Was den Nachweis der Pentagrammplanung anbelangt, so sind 2 Phänomene besonders wichtig:

Bei soviele Bezugspunkten und Analogien in einer auf den ersten Blick unregelmäßig wirkenden Anlage sind u. E. Zufälle ausgestaltet. Es ergibt sich am Ende der Analyse ein planmäßiger Aufbau aus dem Pentagramm!

Die Bestätigung findet sich auch in weiteren Details des Tempels von Hagar Qim.

Nebenstehende Abbildung zeigt ein gestaffeltes Innentor der Tempelanlage, auf das seine Baumeister besondere Sorgfalt verwandten. So sind alle Rahmensteine, die Tragfelsen und die Stürze mit einem Lochmuster versehen, das vermutlich mit einem Drillbohrer mit Quarzspitze händisch ausgefräst wurde.

Auch hier sind die lichten Weiten des Tores und des Torrahmens kein Produkt des Zufalls, sondern die Abstände wurden exakt mit Hilfe einer Pentagrammschablone ermittelt, die obendrein die Breite der seitlichen Orthostaten vorgab.

Ähnliche Bezüge gibt auch das Megalith-Tor auf folgender Aufnahme wieder. Auch hier spannt ein Planungspentagramm das Tor auf, wobei man aber, um die Blöcke des Sturzes nicht zu hoch wuchten zu müssen,  eine niedrigere Torhöhe wählte, und so das Tor selbst gedrungener ausfiel. Hier markiert die Pentagrammspitze nun nicht die Höhe der Toröffnung, sondern die Trennfuge zwischen dem zweigeteilten Sturz, der sich mit horizontal gelagerten Blöcken zu beiden Seiten als Mauererhöhung fortsetzt!

 

Mnajdra

Eien ähnliche, pentagramm-bezogene Proportionalität der Toranlage findet man, wie nebenstehende Aufnahme zeigt, auch bei den Tempeln der Mnajdra.

Die Mnajdra (Femininum!) liegt ganz in der Nähe der Tempel von Hagar Qim. Auch hier gibt es einen Doppeltempel in der für Malta typischen, 5-lappigen Form, die botanisch an ein Ahornblatt, geometrisch an ein Pentagramm erinnert. Der Tempel wird wie in Ggantija auf 3800 v. Chr. datiert.

Daneben gibt es einen kleineren Tempel mit 4 Apsiden.

 Der Aufbau der Tempel der Mnajdra ist ganz ähnlich wie in Ggantija, so dass wir uns hier eine Pentagrammeinzeichnung ersparen.

Zusätzlich vergrößern weitere, heute stark ruinöse Anbauten die Anlage.

Interessanterweise zeigt eine maltesische Münze von 2008, die eine der Toranlagen der Mnajdra in stilisierter Form abbildet, neben Anteilen eines dort gefundenen Spiral-Dekors einen Außenkranz an Pentagrammen!

Zufall oder Notwendigkeit?

Tarxien

Die Tempelanlage von Tarxien liegt in bebautem Gebiet nahe der maltesischen Hauptstadt Valetta und stammt aus der Zeit zwischen 3250 und 2500 v. Chr., sie gehört also zu den jüngeren Tempeln der Megalithkultur Maltas. Es handelt sich um eine fortentwickelte Anlage mit insgesamt 4 Tempeln, wobei nun einer auch einen dreiachsigen Aufbau mit 5 Apsiden aufweist. Insgesamt ist diese Anlage reicher mit Skulpturenschmuck versehen als die anderen. Die Originale befinden sich allerdings heute nicht mehr vor Ort, sondern im Museum in Valetta.

Wir beschließen dieses Kapitel mit 2 Torpartien aus Tarxien, die das schon zuvor Festgestellte ein weiteres Mal bestätigen. Die prähistorischen Toröffnungen auf Malta wurden, egal, ob klein oder groß, mit Hilfe von Planungspentagrammen aufgerissen!



 

Am Ende dieses Bilderzyklus zu den Megalithbauten Maltas, die bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurückreichen, sollte dem Leser klar geworden sein, dass auch die älteste mediterrane Kultur bereits über die Lichtachsen, die Sonnenwenden und die Verwendung des Pentagramms zum Erreichen höchster architektonischer Harmonie Bescheid wussten und dieses Wissen, von dem wir nicht wissen, ob es auf eigener Erkenntnis oder auf fremder Überlieferung beruhte, beim Bau ihrer grandiosen Tempelanlagen zur Anwendung brachten!

Ein Kalendarium wie dasjenige von Goseck konnten wir indes auf Malta bis dato nicht nachweisen.

 

 

Stonehenge (ca. 3000 v. Chr.)

Die in der Jungsteinzeit ab ca. 3000 v. Chr. errichtete und bis zur Bronzezeit benutzte Megalithanlage von Stonehenge in der südenglischen Grafschaft Wiltshire ist weltbekannt und bedarf hier keiner näheren Vorstellung. Seit der Entdeckung von Th. Lorenz dürfte kein Zweifel mehr daran bestehen, dass es sich auch bei Stonehenge um ein riesiges Kalendarium, sozusagen um einen steingewordenen Nachfolger der Ringanlage von Goseck, handelt. Aufbau und Funktion der Anlage werden unter der Internet-Präsenz "Weltwunder Himmelsscheibe" ausführlich und anschaulich erklärt.

Interessanterweise baut auch hier die Deutung auf einem kalendarischen Sonnenjahr von 5 x 72 = 360 Tagen auf, womit mit den beiden ersten Ziffern erneut die Zahlensymbolik des Pentagramms umschrieben wird!

Im Folgenden geht es uns lediglich darum, das planerische Konzept vorzustellen, mit dem die Megalithanlage von Sionehenge von ihren steinzeitlichen Baumeistern mit Hilfe eines Planungspentagramms errichtet wurde:

Das Pentagramm von Stonehenge spannt den äußeren Kranz der sog. Sarsen-Steine auf, sein Südwestschenkel orientiert sich dabei exakt an der Sonnenaufgangsachse zur Zeit der Wintersonnenwende am 21. Dezember. Die Mittelsenkrechte, die die Südspitze des Pentagramms mit dem gegenüberliegenden Innenwinkel verbindet, läuft direkt durch den sog. Altarstein und bildet die Spiegelachse des doppelten Hufeisens mit seinen 5 mächtigen Trilithen im Inneren und den sogenannten Blausteinen im Äußeren. Ein zusätzliches Hilfspentagramm im Inneren des großen Pentagramms definiert zusammen mit der Lichtachse zur Wintersonnenwende exakt Ausrichtung und Größe des Altarsteins.

Inzwischen wurden in der Umgebung der Ringanlage weitere Geländemerkmale gefunden, die mit den Lichtachsen zu den Sonnwenden korrelieren. Außerdem hat eine in jüngster Zeit durchgeführte geomagnetische Prospektion des Geländes um Stonehenge herum einige weitere Ringanlagen aufgedeckt, die in folgender Übersichtskarte mit dem ALS-Profil als rote Punkte hinterlegt sind.

Die in der leider etwas unscharfen Karte eingezeichneten Fluchten (blaue Linien) zahlreicher archäologisch interessanter Stätten  leiten sich bezüglich ihrer Ausrichtung ausnahmslos von den Konstruktionsachsen des zentralen Pentagramms (Verbindung der weißen Punkte) ab, aus dem heraus sie quuasi parallel verschoben wurden. Es ist gut möglich, ja sogar höchst wahrscheinlich, dass schon zur Steinzeit das gesamte Terrain um Stonehenge herum in ein flächendeckendes Pentagrammnetz eingeteilt war. In diesem Zusammenhang bitten wir um Beachtung, dass auch die erst jüngst als weiterer Steinkreis identifizierten Durrington Walls (im Bild rechts oben) exakt in der Flucht des südöstlichen Pentagrammschenkels liegen!

Kein Zweifel:

Mit dem spezifischen Grundriss von Stonehenge liegt ein weiterer, sehr früher Nachweis der Pentagrammplanung in Europa vor - ca. 5000 Jahre vor unserer Zeit!

 

 

Newgrange in Irland (um 3150 v. Chr.)

Ca. 422 km nordwestlich von Stonehenge liegt im Osten der Insel Irland am River Boyne das große jungsteinzeitliche Hügelgrab Newgrange. Es handelt sich um ein sogenanntes Ganggrab von ca. 90 m Durchmesser, mit kreuzförmiger Grabkammer und einem Kraggewölbe aus tonnenschweren Steinen, überdeckt mit Erde und geformt zu einem Rundhügel. Die Megalith-Anlage ist wahrscheinlich noch etwas älter als Stonehenge und stammt aus der Zeit um 3150 v. Christus.

Auch dem Grabhügel von Newgrange liegt ein Pentagramm-Grundriss zugrunde:

Wie folgende Satellitenaufnahme zeigt, ist der Grabhügel streng genommen nicht kreisrund, sondern annähernd herzförmig konfiguriert, begrenzt von jeweils achsensymmetrisch gegenüberliegenden Kreisbögen, welche einen unterschiedlichen Radius aufweisen. Die etwas mehr gekrümmten südlichen Kreisbögen sind dabei von einer Mauer aus Legesteinen gesäumt und treffen sich im nabelförmig eingesenkten Eingangsbereich, von dem ein 22 m langer Gang in die innere Grabkammer verläuft. In prähistorischer Zeit war dieser Eingang durch einen querliegenden Megalithen mit eingravierten Spiralmustern verschlossen, heute liegt dieser Sein so, dass er seitlich umgangen und die Grabkammer im Inneren des Hügels besichtigt werden kann. 

Die folgende Einzeichnung erklärt, wie die Zirkelpunkte der Umkreise aus einem großen Pentagramm mit kleineren Innenpentagrammen heraus ermittelt und festgelegt wurden. Der nordwestliche Querschenkel des Hauptpentagramms orientiert sich exakt an der Sonnenuntergangsachse zur Wintersonnenwende, welche, wenngleich sie zugleich auch die Sonnenaufgangsachse zur Sommersonnenwende darstellt, die für die Konstruktion ausschlaggebende Bezugslinie gewesen sein dürfte.

Dafür spricht nicht nur die Verehrung, die die Steinzeitmenschen der Sonne zur Zeit der Wintersonnenwende entgegen brachten, sondern auch die Tatsache, dass in Newgrange die Sonnenaufgangsachse am selben Tag, den 21. Dezember, in besonderer Weise genutzt wurde:  Diese Lichtachse definiert nämlich exakt die Ausrichtung des inneren Grabganges. Am 21. Dezember eines jeden Jahres scheint das erste Sonnenlicht des Tages durch einen extra geschaffenen Lichteinlass oberhalb der Eingangspforte  bis in die innerste, ansonsten stockdunkle Grabkammer!

Die nach oben spitz zulaufende Kragsteinwölbung des Ganges und der Kammer von Newgrange spricht wiederum dafür, dass bei ihrer Ausführung Pentagrammschablonen zur Anwendung gekommen sein dürften. Man beachte dazu in folgenden Abbildungen die Schräge der Pfeiler an der Grabkammer und im Zuführungsgang: Sie weist exakt den Pentagrammwinkel 72° auf!


Der Verlauf des Sonnenlichts im Ganggrab am 21. Dezember...


... in dieser Aufnahme eindrucksvoll in Szene gesetzt!

 

 

Die Megalithanlage von Knowth (vor 3150 v. Chr.)


Nur 1,2 km nordwestlich von Newgrange liegt die Grabhügelgruppe von Knowth. Die neolithische Anlage besteht aus einem Haupthügel und ca. 20 kleineren Satellitenhügeln (moderne Rekonstruktionen). Der Anlage wird ein noch höheres Alter zugeschrieben als dem beachbarten Newgrange. Der längsovale Haupthügel von ca. 95 x 80 m entstand durch die Verschmelzung zweier Grabstätten, deren Gänge zum überwiegenden Teil exakt in Ost-West-Richtung (der Sonnenlichtachse an den Tag- und Nachtgleichen) verlaufen. Das Ostgrab endet in einer kreuzförmigen Kammer, das Westgrab knickt am Ende etwas nach Süden ab.

Das Mauergeviert auf der planierten Spitze stammt aus der Eisenzeit, ca. 800 bis 100 v. Christus.

Wenn man die äußeren Konturen dieser Anlage von oben betrachtet, dann erkennt man, dass der Haupthügel nicht aus einem Guss geformt wurde, sondern dass seine Basis nicht weniger als 6 Kreisbögen (in folgender Abb. rot und blau) mit jeweils unterschiedlichen Radien und Krümmungen (beide magenta) aufweist. Im Westen gibt es zusätzlich ein Linearsegment. In Knowth liegt keine Achsensymmetrie wie in Newgrange vor.

Mit einer Pentagrammkonstruktion lassen sich alle 6 Zirkelpunkte (magenta-weiß) darstellen, man benötigt dazu allerdings 2 gleichgroße, nur gering parallel verschobene Pentagramme (rot und blau). Beide Pentagramme orientieren sich mit ihrem Südwestschenkel genau an der Sonnenaufgangsachse zur Zeit der Wintersonnenwende (orange Linie). Die Sonnenuntergangsachse am selben Tag scheint in Knowth von untergeordneter Bedeutung gewesen zu sein. Exakt an der Sonnenaufgangsachse orientierte sich in der Eisenzeit auch der umfriedete Bezirk auf dem Hügel, mit seiner Südwestflucht.

Die umgebenden Satellitengrabhügel folgten ihrerseits Pentagrammachsen (weiße Linien), wobei das Zentrum dieses Großpentagramms im Norden der Gesamtanlage und außerhalb des nachfolgenden Bildes lag. Der Westschenkel der südöstlichen Pentagrammspitze fluchtete exakt mit der Nordostbegrenzung des eisenzeitlichen Forts.


Soweit zu 2 irischen Megalithgräbern.

 

In Zusammenschau aller inseleuropäischen Befunde ist der Beleg erbracht, dass die dortigen Megalithanlagen der jüngeren Steinzeit auf der Pentagrammkonstruktion und der Beachtung der Sonnenachsen basieren. Im Fall von Goseck wurde damit sogar erstmals ein praktikable Einteilung des Sonnenjahrs ermittelt. Das Planungsprinzip war hier bereits im 5. Jahrtausend v. Chr., an den anderen Orten im 4. Jahrtausend v. Chr. bekannt!

 

 

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