Die kurbayerische Landesdefensionslinie nördlich der Donau

im Laser-Scan und Satellitenbild (mit ergänzenden Ausschnitten aus historischen Karten)

© Dr. Werner Robl, Berching, Januar 2015

 

Im Spätherbst 1702, zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges, rüstete das Kurfürstentum Bayern unter dem Kurfürsten Maximilian II. Emanuel eilends zu einer militärischen Auseinandersetzung mit dem Deutschen Reich unter Führung der Österreichischen Habsburger. Dieser Krieg war letztlich nicht zu gewinnen, Bayern sah sich auf allen Seiten von Feinden umzingelt. In aller Eile begannen an den gesamten Außengrenzen des Kurfürstentums aus den Dörfern und Städten zusammengerufene Schanzmannschaften und Truppenteile, kilometerlange Gräben auszuheben, Erdschanzen aufzuwerfen und in den Wäldern langstreckig die Bäume zu fällen und zu Waldverhauen aufzutürmen. Der Sinn dieser Maßnahmen lag darin, Kurbayern schon an seinen Grenzen gegen Angriffe der kaiserlichen Truppen und ihrer Alliierten zu schützen. Ein früher Wintereinbruch 1702/03 machte diesen Bemühungen ein rasches Ende; wegen des hart gefrorenen Bodens mussten über mehrere Wochen alle Erdarbeiten eingestellt werden. Zu Beginn des kaiserlichen Gegenangriffs, der Anfang März 1703 auf die Eroberung der Städte Memmingen und Dillingen durch Kurfürst Max Emanuel erfolgte, war nur ein Bruchteil der Kurbayerischen Landesdefensionslinie fertiggestellt. Nicht nur deshalb erwies sich das ehrgeizige Projekt als völlig nutzlos. Die Defensionslinie wurde an mehreren Stellen überrannt, der Kurfürst verlor mit den verbündeten Franzosen am 13. August 1704 die Entscheidungsschlacht bei Höchstädt, Kurbayern geriet für 10 Jahre in österreichisch-kurpfälzische Zwangsverwaltung.

Soviel zur sogenannten Bayerischen Diversion im Spanischen Erbfolgekrieg. [Link]

Noch zu Winterbeginn 1702, genau vom 9. November bis zum 15. Dezember 1702, hatte Oberkriegskommissär Risner von Risenfeld die Westgrenze der Oberpfalz abgeritten, sich vom Ausbau-Stand des Defensionswerks überzeugt und Anordnungen zu seiner Komplettierung hinterlassen. Durch diesen Bericht, der 1885 von Otto Kleemann veröffentlicht wurde, haben wir heute eine detaillierte Information über den Verlauf der Defensionslinie im Bereich der westlichen Oberpfalz. Zum Download der Arbeit von Kleemann im PDF-Format bitte auf das folgende Bild klicken!

Die Frontlinie zwischen den Flüsschen Weiße Laber und Schwarzach, in deren Bereich die Invasion der kaiserlichen Truppen im zeitigen Frühjahr 1703 zu erwarten war und letztlich auch erfolgte, wird detailliert in Wort und Bild vorgestellt. Hierzu auf die Links der blaue Punkte in untenstehender Karte klicken!

Zusammengefügt ergeben diese Teile unsere Arbeit Die Schlacht von Mallerstetten am 4. März 1703, die an dieser Stelle auch komplett heruntergeladen werden kann. Zum Download der Arbeit im PDF-Format (110 Seiten Din A 4) bitte auf das Bild klicken und dabei eine längere Downloadzeit einplanen!

Die in untenstehender Karte mit roten Punkten markierten Linienabschnitte wurden von uns nur in wenigen Abschnitten begangen und untersucht, ansonsten mit Hilfe moderner Methoden der Bodendarstellung nachvollziehbar dargestellt:

Satelliten-Aufnahmen aus Google- und Bing Maps von 2014 zeigen vereinzelt Bewuchsmerkmale bereits geschliffener und damit verschwundener Schanzwerke, der Airborne Laser-Scan macht Höhenunterschiede des Mutterbodens von nur wenigen Zentimetern und damit auch rudimentäre Schanzenreste sichtbar. Ergänzend finden sich Auszüge der sogenannten k. b. Urpositionsblätter von ca. 1860.

Mit diesen Hilfsmitteln bekommt der Interessent die Gelegenheit, einzelne Abschnitte der Westgrenze nördlich der Donau selbst aufzusuchen und die verbliebenen Verteidigungsstellungen vor Ort zu inspizieren. Selbstredend stehen einzelne, mehrdeutige Bodenstrukturen unter dem Vorbehalt einer Begehung vor Ort. Wir haben uns bemüht, dies mit einem Fragezeichen in den Bildern entsprechend deutlich zu machen. Kleinere Feldstellungen wie Schützengräben, Brustwehren und Feldwachposten bleiben von vorne herein unberücksichtigt, da sie sich den genannten Darstellungsarten in der Regel entziehen, sehr von der strategischen Situation vor Ort abhängen und nur durch Ortsbegehungen aufzuspüren sind.

Wegen der historischen Bedeutung und des guten Erhaltungszustandes mancher Schanzen haben wir uns auch intensiv mit den kurbayerischen und österreichischen Defensionswerken in Oberösterreich befasst. Bei Interesse hierzu auf das folgende Bild klicken:

 

 

Die Kurbayerische Defensionslinie von der Altmühl bis nach Waldsassen

Trotz der genannten Einschränkungen ergibt sich durch die Erfassung von Bodenprofilen und Bewuchsmerkmalen ein diversifiziertes und anschauliches Gesamtbild der Kurbayerischen Landesdefensionlinie von der Altmühl bis an die böhmische Grenze hinter Waldsassen. Es wird deutlich, wie unfertig und letztlich insuffizient das militärische Experiment von 1702/03 blieb. Nichtsdestotrotz ist die Linienverschanzung von 1702/03 das größte und bedeutendste Bodendenkmal Deutschlands. Dies ändert aber nichts an dem traurigen Umstand, dass ihre erhaltenen Teile heute entweder ganz vergessen oder bezüglich ihrer militärgeschichtlichen Bedeutuung verkannt und insgesamt durch die modernen Methoden der Bodenbearbeitung stark bestandsgefährdet sind.

Die folgende Übersicht mit den jeweiligen Links zu den Einzelbildern fußt auf der Homann'schen Karte des Kurfürstentums Bayern von 1728: "Bavariae Circulus et Elecoratus in suas quasque ditiones tam cum adjacentibus quam insertis regionibus accuratissime divisus per Jo: Baptistam Homannum, Norimbergae". [Link]

Zum Aufruf der Einzelbilder bitte in folgender Karte auf die jeweiligen Bildpunkte klicken!

Interessante Punkte der kurbayerischen Landesdefensionslinie von 1702/03
Die Landesdefensionslinie im Westen Kurbayerns, nördlich der Donau.

 

Die Kurbayerische Defensionslinie zwischen Donau und Altmühl

Es folgt im Weiteren die Darstellung der Defensionslinie von der Donau bis zur Altmühl. Hier konnte wegen des im Vergleich zur Jurahöhe tiefgründigeren Bodens und relativ personalstarker Schanzmannschaften das Defensionswerk mit Waldverhauen, kilometerlangen Linearschanzen und zusätzlichen Pfeil- und Rechteckschanzen nahezu komplett bis Anfang November 1702 fertig gestellt werden. Die Arbeiter rekrutierten sich damals aus den Bewohnern der Anrainer-Ortschaften und aus einer Ingolstädter Kolonne mit  50 Mann, die tagtäglich unter der Leitung von "Landes=Defensions=Linien=Grenz=Fortifikation=Commissär" Obristleutnant Rudolf Baron von Killeburg, "Ingenieur=Hauptmann" Johann Martin Schmidtmann und Pflegs=Commissär Jelle von Riedenburg zum Ausheben der Gräben anrückten.

Genauere Beschreibungen der Streckenabschnitte, die über die Schilderung von Otto Kleemann hinausgehen, liegen für diesen Abschnitt nicht vor, die Linie orientierte sich jedoch soweit als möglich an der Eichstättischen Grenze. Da im Bereich der landwirtschaftlich genutzten Flächen die Wall-Gräben nach dem Spanischen Erbfolgekrieg größtenteils wieder geschliffen und verpflügt wurden, lassen sich heute nur noch an wenigen Stellen überirdische Linienabschnitte darstellen - wenn man es genau nimmt, nur noch im Bereich der Donauniederung bei Gerolfing und bei Arnbuch und Wolfsbuch, in beiden Abschnitten allerdings gleich mit gut erhaltenen Bodendenkmalen. Durch die Auswertung von Bewuchsmerkmalen einzelner Satellitenaufnahmen gelingt es, den Verlauf der übrigen Abschnitte weitgehend zu rekonstruieren, nur vereinzelt bleibt der Verlauf etwas hypothetisch, da sich keinerlei Ableitungsmöglichkeiten ergeben. Dass die Waldverhaue keine Spuren hinterlassen haben, ist selbstverständlich.

Interessante Punkte der kurbayerischen Landesdefensionslinie von 1702/03
Der Abschnitt der Landesgrenze zwischen Ingolstadt und Dietfurt an der Altmühl in der Homanns "Bavariae circulus et electoratus" von 1728.

Durch Klick auf die roten Punkte in obiger Karte oder über die nachfolgenden Links kommt man zu den Übersichtsartikeln der jeweiligen Streckenabschnitte:

Alternativ stehen die Topographische Karte von Bayern zum direkten Aufsuchen einzelner Linienabschnitte zur Verfügung. Wenn man auf die gelben Punkte klickt, erreicht man das jeweilige Unterkapitel mit den zugehörigen Abbildungen.

Interessante Punkte der kurbayerischen Landesdefensionslinie von 1702/03
Die Landesdefensionslinie zwischen Denkendorf und der Altmühl bei Dietfurt. Blaue Linie= Grenze zwischen Kurbayern und dem Hochstift Eichstätt, nach K. Röttel. Rote durchgehende Linie = gesicherte Abschnitte der Landesdefensionslinie. Rote gestrichelte Linie = anzunehmende Abschnitte der Defensionslinie. Grüne gestrichelte Linie = Zone der Waldverhaue. Gelbe Punkte: Nachgewiesene Schanzwerke oder Linienabschnitte der Defensionslinie.

Interessante Punkte der kurbayerischen Landesdefensionslinie von 1702/03
Die Landesdefensionslinie zwischen der Donau und dem Köschinger Forst. Blaue Linie= Grenze zwischen Kurbayern und dem Hochstift Eichstätt, bzw. Pfalz-Neuburg (unten; nach K. Röttel. Rote durchgehende Linie = gesicherte Abschnitte der Landesdefensionslinie. Rote gestrichelte Linie = anzunehmende Abschnitte der Defensionslinie. Grüne gestrichelte Linie = Zone der Waldverhaue. Gelbe Punkte: Nachgewiesene Schanzwerke oder Linienabschnitte der Defensionslinie.

 

Weitere Literatur zum Thema:

Kerscher, Hermann:

Kinder, Ulrich:

Schuegraf, Joseph Rudolph:

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